vox:publica 11/2012 – Bio: Abzocke oder sinnvolles Lebenskonzept?

19.11.2012

Wenn es ums Essen geht, verstehen viele keinen Spaß. Die einen werben für biologische Produkte, während die anderen eine Bio-Industrie am Werk sehen. Der Trend zu Bioprodukten ist das Thema unserer ersten interaktiven vox:publica-Sendung.

Eine Milchkuh in Brandenburg, dem Bundesland mit dem größten prozentualen Anteil an Bio-Bauernhöfen. © Foto: dapd/ Klaus-Dietmar Gabbert

Kaufe Bio, wenn gefällt. Ganz normales Produkt, ganz normale Lobby. Geschmack entscheidet. Mit Bio isses wie mit Religion: Der Eine schreibt was, der Andere glaubt’s. Ich bin evangelisch. – Michael bei Facebook

„Abzocke – oder sinnvolles Lebenskonzept“ – für dieses Thema haben sich die detektor.fm-Nutzer auf unserer Webseite, in den sozialen Netzwerken und innerhalb der interaktiven App (Entwickler frischr: iOS, Android) abgestimmt.


Die interessanten Einsendungen per Mail, soziale Netzwerke oder Smartphone-App sind in die Sendung eingeflossen.

Bio ist letztlich etwas fürs gute Gewissen und gegen die innere Unsicherheit. Wenn ‚Bio‘ auf dem Eierkarton steht, muss es den Hühner ja gut ergangen sein. Und gesundheitlich unbedenklich – gegenüber den dioxinverseuchten Billigeiern – sind diese Produkte ja wohl allemal. Hoffentlich. Ein großer Teil des Bio-„Hypes“ ist wohl auf diese Art von Unsicherheit plus dem Streben nach political correctness beim Konsumenten zurückzuführen. – Alassin via App

Eingeschickte Fotos zeigen wir hier auf der Webseite. Audios werden bearbeitet und kommen in die Sendung, Texte werden von Sprechern vertont und von Videos nutzen wir die Tonspur für die Sendung.

Besonders wichtig gerade beim Einkauf von Kaffee und Tee (bzw. Dingen, die hier in Deutschland nicht heimisch sind) ist mir der soziale Faktor. Ich achte deshalb sehr auf Siegel wie FairTrade, um mitzuhelfen, die Arbeitsbedingungen der Erzeuger zu verbessern. Es gibt mittlerweile eine gute Auswahl von Bioware kombiniert mit weiteren Qualitätssiegeln. – Steffen via App


Neben Hörern sind auch Experten in der Sendung gefragt. So haben wir mit Ina Bockholt von der Stiftung Warentest darüber gesprochen, ob Bioprodukte wirklich besser schmecken und womit Bio-Hersteller den meisten Umsatz machen.

Am allerwichtigsten finde ich „Bio“ bei tierischen Produkten, also Fleisch, Milch und Eiern. Es verwundert mich etwas, dass Bio-Fleisch nur relativ wenig Stimmen erhalten hat. Bei diesen Nahrungsmitteln hängen doch direkt fühlende Lebewesen dran, bei denen ich möchte, dass Sie so wenig wie möglich leiden bzw. die bestmögliche Lebensqualität haben, wenn sie schon für mich in Gefangenschaft leben oder sterben müssen. – Ute via App

Der Journalist Hans-Ulrich Grimm, Autor von „Der Bio-Bluff„, hat uns erklärt, warum er davon überzeugt ist, dass eine Massenproduktion von Bioprodukten fast alle Vorteile aufwiegt.

Ich kaufe Bio nicht so sehr, weil ich glaube, dass das Produkt dann einwandfrei ist. Vor allem will ich damit signalisieren, dass ich bereit bin, für gute Qualität einen angemessenen Preis zu bezahlen. Damit laufe ich natürlich in Gefahr, dass Händler/Produzenten billigen Schund unter teurem Bio-Siegel verkaufen. Aber um solche Missstände aufzudecken haben wir ja die 4. Gewalt, nicht wahr? – Monoxyd


In Abstimmungen haben die Nutzer darüber abgestimmt, wie wichtig ihnen Bioprodukte sind. Circa 80 Prozent kaufen regelmäßig biologische Lebensmittel ein. Etwa ein Fünftel der Nutzer denkt jedoch, dass „Bio“ Abzocke ist.

Ich benutze mehr oder weniger ausschliesslich Bio-Produkte weil diese in der Regel: besser schmecken,  weniger mit Schadstoffen belastet sind,  nachhaltiger/fairer erzeugt sind. – Manfred via App

Wir haben auch gefragt, bei welchen Lebensmitteln die Nutzer nicht auf das Bio-Siegel verzichten würden. Hier sind ein Drittel der Meinung, dass sie bei Soja, Milch und Eiern nicht auf Bio verzichten können. 27 Prozent legen bei Früchten und Gemüse besonderen Wert auf das Bio-Siegel, 24 Prozent achten bei Fisch und Fleisch auf biologische Herstellung und nur 15 Prozent achten bei Kaffee oder Tee auf das Bio-Etikett.

Erstmal gibt es einen Haufen verschiedene Labels für Bio von Demeter bis zum EU Bio Siegel, und dann die grundsätzliche Motivation warum Bio: 1. Weil ich glaube, dass es gesünder für mich ist, oder 2. ob es gesünder für das Klima, die Gesellschaft ist. Dh. es gibt grundsätzlich eine egoistische und eine altruistische, bzw. soziale/gesellschafliche Komponente. Pestizidrückstände in den Lebensmitteln sind glaube ich heute weniger ein Problem, als die intensive Landwirtschaft, welche die Natur zerstört. Und vielleicht ist die konventionell angebaute Kartoffel von Nachbarn besser, als die Bio Orange aus Ghana. Wie ist die Arbeitsbelastung durch Bio? Ich habe durch einen Job hier in Mitteldeutschland mitbekommen, wie Rumänische Saisonfeldarbeiter Woche für Woche das Unkraut aus den Radieschenfeldern gezupft haben, damit keine Pestizide verwendet werden. – Julian via App


Die nächste aktuelle Ausgabe von vox:publica folgt am 17.12.2012. Mitmachen kann man ab sofort über beide Apps (Android, iPhone).

Ich habe in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht dass Bio Obst einfach besser schmeckt. Bei konventionell hergestelltem Obst kommt es viel zu häufig vor das es hart und sauer ist, bei Bio Obst ist das bei mir noch nie vorgekommen. – Hendrik via App