Was wichtig wird | Hanno Rauterberg – „Wie frei ist die Kunst?“

Freiheit ist Definitionssache

17.08.2018

"Zeit"-Kritiker Hanno Rauterberg versucht sich an einer Bestandsaufnahme unserer Zeit und fasst aktuelle Kunstdebatten rund um das Thema Freiheit zusammen. Gelingt ihm das? Sebastian Frenzel vom Monopol-Magazin ist geteilter Meinung.

Jeden Freitag im Gespräch mit detektor.fm, das Kunstmagazin Monopol. Foto: Monopol - Magazin für Kunst und Leben | detektor.fm

Kunst vs. Mensch

Kevin Spacey gilt als begnadeter Schauspieler. Er hat unter anderem zwei Oscars, Golden Globes und Emmy Awards. Erst 2016 wurde er außerdem von Prince Charles zum britischen Ritter geschlagen – und das als Amerikaner. Alles änderte sich zu dem Zeitpunkt, als er der sexuellen Belästigung beschuldigt wurde. Damit hat Spacey nicht nur seinen Ruf zerstört, sondern auch seine Kunst hat an Bedeutung verloren. Laut wurde die Frage diskutiert, ob man Filme, Serien oder Theaterstücke mit ihm überhaupt noch ansehen darf.

Während einige sehr schnell zu einem Urteil gekommen sind, debattieren andere noch immer darüber, ob die Kunst nicht von der Person getrennt werden sollte. Eine Überlegung, die schablonenhaft auf einige einst große Persönlichkeiten gelegt werden kann. Nicht weniger komplex erscheint der Fall, wenn ein Kunstwerk einen anderen Menschen oder sogar eine ganze Gruppe diskriminiert. Auch hier gibt es zahlreiche Beispiele. Bilder wurden abgehängt, Ausstellungen abgesagt oder Gedichte übermalt.  All das, weil der Kunstschaffende eine scheinbare Grenze überschritten hat.

Rauterberg als Chronist

Mit dieser roten Linie beschäftigt sich Hanno Rauterberg in seinem Buch „Wie frei ist die Kunst?„. Er zeigt auf, welche Debatten die Kunst der letzten Jahre mitbestimmt haben. Er spricht zum Beispiel darüber, dass früher in der Kunst gegen Zensur angekämpft heute. Der heutige Kunstliebhaber würde hingegen lieber mitbestimmen, was ein Museum aufhängen darf und was nicht, skizziert Rauterberg.

franz westAlles ist immer in der Krise. Drunter geht es ja nicht mehr. Rauterberg impliziert damit, dass früher alles besser war. Dem stimme ich nicht zu. Sebastian Frenzelwürde sich mehr Kontext bei Kunstwerken wünschen. 

Über das Buch und die Freiheit in der Kunst spricht detektor.fm-Moderatorin Carina Fron mit dem stellvertretenden Chefredakteur des Monopol-Magazins, Sebastian Frenzel.


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