Was wichtig wird | Streit um das Humboldt Forum

„Wie viel Blut tropft von den Werken an der Wand“

04.08.2017

Ein neues Museum für Berlin: Klingt doch nach einer guten Nachricht. Trotzdem gibt es um das Humboldt Forum im neuen Berliner Schloss von Beginn an Streit. Welche Diskussionen berechtigt sind, erklärt Elke Buhr von Monopol.

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Am 12. Juni 2013 wurde der Grundstein für das neue Berliner Schloss gelegt. Darin soll das Humboldt Forum entstehen, eine Kunstsammlung außereuropäischer Kulturen. 2019 soll das Humboldt Forum die Berliner Museumsinsel ergänzen. Doch schon vor der Grundsteinlegung sorgten die Pläne für Steit. Angefangen beim Wiederaufbau des Berliner Schlosses bis hin zur Schreibweise des Namens, wird bei diesem Projekt scheinbar alles diskutiert.

„Wie viel Blut tropft von den Werken an der Wand“

Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses war von Anfang an umstritten. Laut Elke Buhr, geht es mittlerweile aber viel mehr um die Ausstellung als um das Gebäude.

Das Schloss wird gebaut, dagegen kann man nichts mehr machen. Ich glaube, jetzt wo das Schloss langsam Gestalt annimmt, fragen sich die Leute „Was kommt denn da eigentlich rein?“ und da stellt sich heraus, dass es offensichtlich konzeptionelle Probleme gibt. — Elke Buhr, Chefredakteurin Monopol

Das Konzept für das Humboldt Forum wird von einer Expertenkommission entwickelt. Teil dieser Kommission war auch die französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy, die inzwischen ausgetreten ist. Ihren Austritt aus der Kommission hat sie in der Süddeutschen Zeitung erklärt. Sie kritisiert vor allem die mangelhafte Auseinandersetzung mit der Herkunft der ausgestellten Werke, meint Elke Buhr.

Es sieht so aus als würde sich das Humboldt Forum vor allem darum Gedanken machen wo sie ihre Boote hinstellen und nicht darüber, wie sie eigentlich diesen Perspektivwechsel schaffen, von einem ethnologischen Museum, das die außereuropäischen Kulturen praktisch als Objekte behandelt, zu einem wirklichen Gegenüber. — Elke Buhr

Herzstück des Humboldt Forums wird die außereuropäische Kunstsammlung werden, die zur Zeit im eher abgelegenen Dahlem ausgestellt wird. Die meisten dieser Werke stammen aus der Kolonialzeit und wurden im 19. Jahrhundert zusammengetragen. Elke Buhr meint, muss man sich damit auseinandersetzen welche Verbrechen dafür begangen wurden, um die Sammlung so zeigen zu können wie es im Humboldt Forum geplant ist. Damit teilt sie die Meinung von Bénédicte Savoy: Kunstobjekte aus der eigenen Kultur herauszureißen und in einem deutschen Museum auszustellen ohne sich mit ihrer Herkunft zu beschäftigen, ist eine Handlungsweise, die dem Kolonialismus nahe kommt.

Elke Buhr, Chefredakteurin von Monopol - Magazin für Kunst und Leben.Die Diskussion wie wir mit dieser Kolonialismus-Geschichte umgehen, findet heute in allen Bereichen statt. Und es sieht so aus, als hätte das Humboldt Forum, was auch von - ich sag mal - weißen Männern, älteren Jahrgangs konzipiert wird, dieses Problem einfach nicht so richtig gesehen wird.Elke Buhrist Chefredakteurin des Monopol-Magazins für Kultur und Leben 


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