Weltkulturerbe Palmyra in Syrien

Nicht zu emotional werden

29.03.2016

Monatelang hat der selbsternannte Islamische Staat die antike Ruinenstadt Palmyra in seiner Kontrolle gehabt. Sie ist Weltkulturerbe und eine der wichtigsten Grabungsstätten in Syrien. Nachdem die Stadt von der syrischen Armee zurückerobert wurde, beginnt nun die Bestandsaufnahme.

Die syrische Armee hat zusammen mit den russischen Luftstreitkräften die Ruinenstadt Palmyra im Zentrum Syriens zurückerobert. Im Mai 2015 hatte der selbsternannte Islamische Staat die Weltkulturerbe-Stadt erobert. Seitdem wurden unter anderem der berühmte Baaltempel sowie ein Dutzend antike Grabtürme zerstört – und Videos davon ins Netz gestellt. Zudem haben die IS-Kämpfer den früheren Chef-Archäologen der Stadt ermordet.

Über 7.000 Jahre Menschheitsgeschichte in Palmyra

Die Ruinen der antiken Stadt Palmyra erzählen eine lange Geschichte. Die kleine Oase inmitten der Wüste im heutigen Syrien ist bereits in der Jungsteinzeit im 7. Jahrtausend v. Chr. genutzt worden. Bis zum 1. Jahrtausend entwickelte sich Palmyra zum Zentrum der Baal-Religion in Vorderasien. Im Römischen Reich konnte sich die Stadt Einfluss und Reichtum durch die günstige Lage an der Seidenstraße sichern. Mit den Römern kam um 300 n. Chr. auch das Christentum und mit den Arabern um 600 der Islam in die Stadt. Nach 636 versank die Stadt wieder in der Bedeutungslosigkeit.

Das alles wissen wir, weil Archäologen seit mehr als hundert Jahren die Geschichte aus den Funden in Palmyra rekonstruieren – und noch immer sind viele Dinge unerforscht. Wenn also die Kämpfer des selbsternannten Islamischen Staates nicht nur die Forscher vertreiben, sondern auch mit Sprengstoff und Vorschlaghammer die archäologischen Überreste zerstören, geht ein Stück der Menschheitsgeschichte unwiederbringlich verloren. Die syrische Armee hat zwar in den vergangenen Tagen die Ausgrabungsstätte zurückerobern können, aber jetzt müssen die Archäologen vor Ort den Schaden erst mal einschätzen.

Nicht der erste Krieg

Einen Archäologen kann oft so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Auch wenn die Frontlinie gefährlich nahekommt, bleiben sie oft bis zum letzten Moment. Und auch bei der Bestandsaufnahme nach der Verwüstung wird man dort nicht allzu emotional:

Das Archäologische Institut besteht seit 1829 und natürlich haben wir schon so einiges erlebt. Und ich denke, der Archäologe an sich hat den Vorteil, dass er sehr nüchtern mit einer Ruine umgeht. – Friederike Fless, Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts

Mit der Eroberung Palmyras sind aber noch lange nicht alle Probleme gelöst. Solange der Bürgerkrieg in Syrien andauert, wird auch weiterhin die antike Bausubstanz bedroht bleiben.

Wie es nach der Rückeroberung der antiken Stadt Palmyra für die archäologische Forschung in Syrien weitergeht, darüber hat detektor.fm-Moderator Christian Bollert mit Friederike Fless gesprochen. Sie ist Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts.

Foto: Irmgard Wagner / DAI ZentraleWenn man sich nur emotional mitreißen lässt, dann kann man auch keine rationalen Entscheidungen mehr treffen. Wenn man es auf die Ebene zurückführt, dass man diese antiken Stätten erhalten, sichern und schützen möchte, dann ist es auch ein sehr nüchterner Vorgang.Friederike Flessist Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts. 

Redaktion: Christopher van der Meyden