Weltradiotag | Die Emanzipation in Afghanistan

Erhört uns, empört euch!

13.02.2016

Radio rettet Leben. Das wird fast täglich in Entwicklungsländern deutlich. Denn dort nutzen Menschen das Radio nicht nur als Informationsquelle, sondern auch als Sprachrohr. So konnten vor mehr als zehn Jahren Frauen in Afghanistan durch eigene Radioprogramme ihre Stimme erheben. Doch was ist von dieser Emanzipationsbewegung noch übrig? Ein Lagebericht.

Weltradiotag – In Zeiten der Krise

Zum fünften Mal wird heute, am 13. Februar, der UNESCO-Welttag des Radios gefeiert. Beim diesjährigen Weltradiotag soll besonders die Rolle des Radios in Zeiten von Notsituationen und Katastrophen hervorgehoben werden. So haben es Community-Radios mithilfe von lokalen Musikern geschafft, Menschen über die Ebola-Epidemie aufzuklären. In Afghanistan will man mithilfe des Radioprogramms „In Search of the Missing“ die vielen verschwundenen Menschen ausfindig machen, die aufgrund des jahrzehntelangen Afghanistan-Krieges als vermisst gelten.

Das Radio hat sich in Entwicklungsländern als kostengünstiges, leicht zugängliches Massenmedium etabliert. Doch Radio kann nicht nur informieren, sondern auch denen eine Stimme verleihen, die jahrelang unterdrückt worden sind.

Radio ist in Afghanistan von besonderer Wichtigkeit, auch deshalb weil die Analphabetenrate so hoch ist. Über 70 Prozent der Menschen dort können weder lesen noch schreiben. Und da ist natürlich Radio am einfachsten, im Vergleich zu Zeitungen. Fernsehen ist sehr beliebt, aber viele haben nicht die Möglichkeit dazu. – Shikiba Babori

Die Stimme erheben

Aufklärungsarbeit steht im Fokus der Frauen, die in Afghanistan vor dem Mikrofon stehen. Nach dem Ende der fünfjährigen Taliban-Herrschaft blühte die Medienlandschaft in Afghanistan auf. Auch Frauen ergriffen die Initiative, um ihren Rechten eine Stimme zu geben. Vor elf Jahren starteten Frauen den Radiosender „Sada-ye Zane Afghan„, um gegen gesellschaftliche Missstände anzukämpfen.

Bei den sehr vielen Radiosendern, die es in Afghanistan inzwischen gibt, hört man sowohl Frauen als auch Männer. Überhaupt ist die Medienlandschaft in den letzten 15 Jahren der erfolgreichste Sektor, was den Wiederaufbau betroffen hat. – Shikiba Babori

Doch auch wenn Frauen mittlerweile vermehrt in der Medienlandschaft Afghanistans auftreten, ist es noch ein weiter Weg bis zur Emanzipation der afghanischen Frau. Die Taliban versuchen immer noch, Frauen zu unterdrücken. So wurde im November vergangenen Jahres die Radiostation „Radio Roshani“ von Taliban besetzt. Am Nachmittag wollte man ein Feature senden, welches afghanische Frauen ermutigen sollte, sich in der Politik zu engagieren.

Wie das Radio die Rolle der Frau in Afghanistan verändert hat und wie Frauen aktuell versuchen, ihre Stimme zu erheben, hat detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser von Shikiba Babori erfahren. Sie ist Initiatorin des afghanisch-deutschen Journalistennetzwerkes „Kalima“.

BaboriIn der Taliban-Ära hat man keine normalen Beiträge oder Berichte gehört. Es gab nur einen Sender, wo der Koran rezitiert wurde und das von morgens bis abends.Shikiba BaboriInitiatorin des afghanisch-deutschen Journalistennetzwerkes "Kalima". 

Redaktion: Johanna Siegemund