ARD & ZDF | Werbefreiheit bei öffentlich-rechtlichen Sendern

ARD: Schluss mit Werbung bei WDR & Co.

02.10.2015

Der Landtag in Nordrhein-Westfalen fordert: die öffentlich-rechtlichen Sender sollen Werbung im Programm schrittweise komplett beenden. Beginnen soll der WDR. Dabei haben ARD und ZDF bereits Mehrbedarf an Geldern angemeldet. Können oder wollen sie also auf die Werbeeinnahmen nicht verzichten?

Rundfunkgebühren vs. Werbung

Die Rundfunkgebühren mögen nicht sonderlich beliebt sein, aber sie bieten dem Beitragszahler durchaus auch einige Vorteile. Sie sichern eine gewisse Qualität bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten – und: als Zuschauer und Zuhörer wird man nicht fortlaufend mit Werbung überschüttet.

Doch so ganz werbefrei sind die öffentlich-rechtlichen ja auch nicht. Maximal zwanzig Minuten pro Tag darf dort Werbung ausgestrahlt werden, täglich bis 20 Uhr, außer an Sonn- und Feiertagen.

Der Anteil von Werbung ist relativ klein im Vergleich zu kommerziell-orientierten Sendern und überhaupt zur ganzen Verlagslandschaft. – Stephan Weichert, Professor für Journalismus an der Macromedia Hochschule Hamburg

Dennoch haben die „Öffis“ in diesem Jahr einen erheblichen Mehrbedarf von 99 Millionen für das Jahr 2017 beantragt. Wieso aber wird dieses nicht Geld verwendet, um die Werbung abzuschaffen?

Das ist eine gute Frage. Die gesamte Medienlandschaft befindet sich in einer Phase der Strukturreform. Das heißt, es muss eher mehr Geld gespart werden, als Geld ausgegeben oder investiert werden. – Stephan Weichert

Werbefreiheit: Der WDR als Vorreiter?

Der Landtag in Nordrhein-Westfalen will nun ran an den Anteil der Werbung bei öffentlich-rechtlichen Anstalten: Ziel ist ein schrittweiser Ausstieg aus der Werbung. Dennoch sind diese Überlegungen nicht Teil dess neuen WDR-Gesetzes. Die Begründung: Werbefreiheit soll nicht nur auf Landesebene, sondern auf Bundesebene geregelt und damit auch für die anderen öffentlich-rechtlichen Sender zur Pflicht werden.

Der WDR ist die zweitgrößte Anstalt in Deutschland. Was für eine Signalwirkung das hat und welche Auswirkungen das auf die anderen Anstalten hat, muss man sehen. – Stephan Weichert

Eine Einschränkung im Sponsoring hat es bereits 2012 gegeben. Seitdem gibt es bei ARD und ZDF an Sonn- und Feiertagen sowie nach 20.00 Uhr kein Sponsoring mehr, außer bei Großveranstaltungen.

Problem noch nicht gelöst

Auch wenn die Debatte um die Werbefreiheit seit Jahren geführt wird, scheint eine Lösung noch nicht in Sicht. Die Gegner der Werbefreiheit argumentieren, die Öffentlich-rechtlichen seien auf die gezeigte Werbung und das Sponsoring angewiesen: wenngleich diese Beträge nicht Haupteinnahmequelle sind, könnten sie nur schwer darauf verzichten. Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) hat sogar ausgerechnet, dass ohne die Werbung die Beitragszahler 1,25 Euro mehr an Rundfunkgebühren zahlen müssten.

Warum sich Stephan Weichert, Professor für Journalismus an der Hochschule macromedia, deutlich gegen die komplette Abschaffung von Werbung bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten ausspricht, erklärt er im Interview mit detektor.fm– Gastmoderator Marcus Richter.

Stephan-Weichert-1224 MHMKLetzendlich ist dieses System, wie es sich im Moment selbst erhält, auf Werbung angewiesen. Ein komplettes Verbot kann sich der öffentlich-rechtliche Runkfunk momentan nicht leisten. Stephan Weichertglaubt nicht an ein Ende der Werbung bei ARD und ZDF. Foto: MHMK Hamburg 

Redaktion: Carina Fron