Anruf beim ZDF: Wenn die Politik auf Medien Einfluss nehmen will

25.10.2012

Ein CSU-Sprecher ruft beim ZDF an – soweit, so okay. Doch diesmal sollte ein Beitrag über die SPD verhindert werden. Hans Michael Strepp ist nun zurückgetreten. Doch ist er ein Ausnahmefall?

Da wollte die Politik Einfluss nehmen auf die Medien – mal wieder, wie es scheint. / © Alexander Heimann / dapd

Das Telefon klingelt in einer Redaktion und ein Politiker sagt, was berichtet werden soll – oder nicht berichtet werden darf: So soll es in einer Demokratie mit unabhängiger Presse eigentlich nicht laufen – ist es aber.

Hans Michael Strepp rief bei dem zuständigen Redakteur an und droht: Sollte der Beitrag gesendet werden, dann habe dies Konsequenzen. Das ZDF wehrte sich dagegen – der Beitrag lief trotzdem.

Die Süddeutsche Zeitung berichtete als erstes darüber und die CSU steht seitdem in der Kritik. Sprecher Hans Michael Strepp trat heute zurück.

ist emeritierter JournalistikprofessorUlrich Pätzoldist emeritierter Journalistikprofessor 

Dass Politiker auf die Medien Einfluss nehmen wollen, passiert scheinbar immer wieder. Man erinnere sich nur an den Fall Christian Wulff – oder auch den ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, der die Wiederwahl von Nikolaus Brender zum ZDF-Intendanten verhinderte.

Wie groß ist die Einflussnahme der Politik auf die Medien also tatsächlich? Darüber haben wir mit Ulrich Pätzold gesprochen. Er ist emeritierter Journalistikprofessor der TU Dortmund.

Wie groß ist der Einfluss von Politikern auf Redaktionen?

So auffallend dumm reagieren Politiker eigentlich nicht. Aber richtig ist natürlich: Die Politik hat dicken Einfluss, vor allem bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. (Ulrich Pätzold)