Adventskalender Türchen 1: Telekinesis

01.12.2010

Der „Seattle-Sound“ beschreibt eigentlich den Grunge der späten 80er Jahre, jene Mischung aus Punkrock und Metal, die Bands wie Nirvana, Pearl Jam und Soundgarden zu Helden machte. In den letzten Jahren erlebt die Stadt im Nordwesten der USA mit Fleet Foxes und Band of Horses ihr musikalisches Comeback. Der Seattle-Sound von heute klingt weniger düster, dafür poppig und leicht. Auch die One-Man Band Telekinesis beweist, dass Indierock noch hymnenfähig ist.

Dass Michael Benjamin Lerner alias Telekinesis Musiker werden würde, war eigentlich unausweichlich: Ein Mann, der gefühlt mindestens fünf Instrumente beherrscht, seine Songs allein schreibt, singt und spielt und auf der Bühne gleichzeitig Schlagzeuger und Sänger ist, kann nicht anders, als mit Musik sein Geld zu verdienen. Sein Handwerk lernte der Rotschopf auf dem Liverpool Institut for Performing Arts unter den Fittichen von Paul McCartney. Zurück in Seattle kam Death Cab For Cutie-Gitarrist Chris Walla auf ihn zu und meinte, er würde gern mal eine Platte mit Lerner aufnehmen. So entstand 2009 sein erstes Album – eine Ode an den Rock’n’Roll. Die Songs sind kaum länger als drei Minuten und fegen einem wie ein Wirbelsturm um die Ohren: scheppernde Becken, wuchtige Drums und energetische Gitarren. Bei Telekinesis sind selbst deprimierende Liebeslieder voller Energie.

Im Februar 2011erscheint sein zweites Album „12 Desperate Straight Lines“, das Lerner wieder zusammen mit Walla produziert hat. Für detektor.fm hat er Non-Toxic von seiner aktuellen EP Dirty Thing eingespielt. Ein Song, der sich nicht ganz in das typische Schema von Popmusik einfügt:

Ich habe eine Zeit lang in einem Studio gearbeitet und viel Guided by Voices gehört. Die schreiben Songs mit anderthalb Minuten Länge. Strophe, Refrain, fertig. Das fand ich irgendwie interessant. Die Formel für Popsongs ist doch immer, den Refrain so oft wie möglich zu wiederholen. Denn der Refrain bestimmt die Verkaufszahlen der Platte. Ich dachte mir: Wenn man einen eingängigen Refrain hat, reicht’s doch wenn man den einmal bringt. Ein ganz kurzer Song. So wie Guided By Voices zum Beispiel.

Telekinesis – Non-Toxic (detektor.fm Akustik-Session)