Adventskalender Türchen 6: James Harries

06.12.2011

Das Londoner Ausgeh-Magazin „Time Out“ hat den Briten James Harries mal als „Ryan Adams auf Steroiden“ beschrieben – und es war durchaus als Kompliment gemeint. Zumindest wenn man sich seinen musikalischen Output der vergangenen sechs Jahre anschaut, glaubt man gern, dass es irgendeine Form von Aufputschmittel gebraucht haben muss, um eine derartige Menge an Projekten umzusetzen.

Der Albumkatalog von James Harries umfasst mittlerweile vier Platten, er war permanent auf Tour und hat zwischendurch Musik für 13 Filme geschrieben. Ein Workaholic sei er aber keinesfalls, meint James – dafür sei er viel zu faul.

Sein neuestes Album heißt Growing Pains – ist von ihm selbst produziert worden und bisher nicht offiziell veröffentlicht. Bisher verkauft er nur eine ganz kleine Auflage davon bei seinen Live-Auftritten. Eingespielt wurde Growing Pains in einer Gospelkirche im kalifornischen Oakland – in nur einem Tag. Nach vier klassischen Studioalben war dieser eher minimalistische Ansatz für James eine schöne Abwechslung.

Im Studio will ständig irgendjemand was von dir. Die Tontechniker wollen noch einen Take machen, weil irgendwas mit dem Mikro nicht gestimmt hat oder die Plattenfirma hat irgendeine ganz spezielle Vorstellung. Und jeder hat eine andere Meinung, wie ein Song klingen soll. Ich mag es lieber, den Song in einer Version festzuhalten – klar, das ist nicht unbedingt der einzig mögliche Weg, ihn zu spielen. Das hängt ja immer auch vom Raum ab und den Leuten, die mitspielen. Aber genau das mag ich an der neuen Platte – dass es eben nur ein Tag war, den man mit ein paar Freunden in einer wunderschönen Kirche verbringt und beim Musikmachen eine gute Zeit hat.

Wenn James nicht gerade an eigenem Material arbeitet, ist er oft mit Aufträgen für Filmmusik beschäftigt. Das fühle sich dann an wie ein richtiger Job, sagt er – aber es sei auch eine völlig andere Welt.

Es ist eine ganz andere Herangehensweise – du hast einen Chef, für den du arbeitest. Und dann gibt es den Regisseur und den Produzenten und du kannst nicht einfach einen 50-Mann-Chor haben, auch wenn du denkst, es würde super zum Film passen. Vielleicht schreibst du ein Stück und es gefällt ihnen überhaupt nicht. Das muss man respektieren, es ist schließlich ihr Film.

Das kann zwar stellenweise frustrierend sein, aber in jedem Fall lehrreich, sagt James. Für die Arbeit an einem Soundtrack müsse er sehr diszipliniert sein – weil das Orchester eben nur für eine bestimmte Zeit gebucht ist und man nicht nur eine Deadline sondern auch ein Budget einhalten muss. Daraus habe er auch für die Arbeit an seinen eigenen Platten viel gelernt.

Obwohl es schwerer geworden sei, als Musiker Geld zu verdienen – einen anderen Job würde er nicht machten wollen. Ohne Musik macht das Leben keinen Spaß, sagt James. Deshalb sei es die größere Anstrengung immer noch wert.

Die Menschen mögen Musik, sie brauchen Musik! Um über Dinge nachzudenken oder zum Tanzen, ganz egal. Sie hören einfach immer Musik.

James Harries Beitrag zum akustischen Adventskalender ist ein nagelneuer, bisher unveröffentlichter Song: Caroline.

James Harries – Caroline (detektor.fm Akustik-Session)