Album der Woche: Arctic Monkeys – AM

09.09.2013

In letzter Zeit hört man wieder häufiger von den englischen Bands der Nullerjahre: Es gibt neue Alben von Franz Ferdinand und den Babyshambles. Auch die Arctic Monkeys wollen es nochmal wissen. Ihre fünfte Platte trägt den schlichten Titel „AM“ und darauf entdecken sie die Einfachheit.

Auf ihrem neuen Album “AM” entdecken die Arctic Monkeys die Einfachheit. (Foto: Zackery Michael)

Die Arctic Monkeys sind erwachsen geworden. Sie sind nicht mehr die kleinen Jungs aus Sheffield, die mit ungekämmten Haaren und in kaum verständlichem Yorkshire-Englisch Interviews geben. Lederjacken und Schmalztolle-Frisuren bestimmen jetzt das Image der Band.

Ihr Sound ist nicht mehr geprägt von jugendlichem Übermut, der sich in energetischen Rockriffs und rotzig vorgetragenen Texten manifestiert. Ein bisschen 70er Glamrock hier, eine ordentliche Portion R’n’B und HipHop dort: Auf ihrem neuen Album AM klingen die Arctic Monkeys stilistisch vielfältiger, modern und selbstbewusst.

Am Anfang stand „R U Mine?“

Den Anfang machte für Sänger Alex Turner und seine Bandkollegen der Song R U Mine?, der im letzten Jahr erschien.

Wir haben den Song „R U Mine?“ vor ungefähr einem Jahr veröffentlicht und der war Inspiration für das ganze Album. Wir wollten den Rest der Tracks um diesen Song bauen und diese Art von Melodie noch weiter erforschen.

Viele der Stücke auf AM sind um Drumloops oder sich wiederholende Hooklines gebaut. Trotzdem sind sie nicht vorhersehbar. Es gibt immer wieder Brüche, an denen die Songs plötzlich in eine völlig andere Richtung gehen. Verstärkt kommt auch Background-Gesang zum Einsatz. Der wurde unter anderem von Arctic Monkeys-Mentor Josh Homme beigesteuert. Der Queens Of The Stone Age Sänger ist z.B. in dem Stück Knee Socks zu hören.

Detailreich aber nicht überladen

Piano-Riffs und zurückgelehnte Beats, die auch mal mit dem Fuß gestampft werden – AM ist sorgfältig produziert und es macht Spaß, sich in die Details zu vertiefen. Trotzdem wirken die Songs nicht überladen, im Gegenteil: Die Arrangements wurden entschlackt, es gibt weniger Schichten und füllende Elemente. Dieser neue Hang zur Einfachheit hat vor allem mit ihrer Begeisterung für ein simples Vierspur-Aufnahmegerät zu tun.

Ich hatte diesen Four-Track-Recorder zum Geburtstag bekommen und wir haben ein bisschen damit herumexperimentiert. Die Sachen klangen originell und aufregend, aber uns hat auch die Einfachheit gefallen. Man hat erstmal nur wenige Spuren und kann sich gleich anhören, was man gemacht hat, ohne die Dinge zu verkomplizieren.

Persönliche Themen statt Lästereien

Turners Texte sind mittlerweile keine Lästereien mehr über die seltsamen Verhaltensweisen anderer Clubbesucher. Die bissigen Charakterstudien der ersten Alben wurden durch persönliche Themen ersetzt. Turner singt neuerdings von Liebe, Lust und Herzschmerz.

They still look good on the dancefloor

Auf AM haben die Arctic Monkeys einen Gang zurückgeschaltet. Statt auf explosive Energie setzen sie nun auf Handwerk und Erfahrung. Sie bleiben dabei experimentierfreudig, vollführen aber keine seltsam anmutenden, radikalen Stilwechsel wie andere Bands aus der Indierock-Garde der Nullerjahre.

Scheinbar mühelos kredenzen sie uns einen cleveren Ohrwurm nach dem anderen. Wenn man über die penetrant zur Schau getragene Rockstar-Coolness samt Modelfreundin hinweg sieht, bleibt ein spannendes Album von einer Band, die auch acht Jahre nach ihrem ersten Hit noch relevant ist.