Album der Woche | Bon Iver – i,i

Es ist Herbst

Das erste Bon Iver-Album „For Emma, Forever Ago“ ist in einer einsamen Hütte in Wisconsin entstanden. Nur Justin Vernon und seine Gitarre. Seitdem ist der Sound immer größer geworden, erst orchestral, dann elektronisch. Auf „i,i“ nimmt Vernon all diese Elemente und setzt sie neu zusammen.

Justin Vernon alias Bon Iver.
Foto: Graham Tolbert/Crystal Quinn

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Das Album der Woche wird präsentiert von Dockin. Promo-Code: detektor.fmDockin10


Winter, Frühling, Sommer und jetzt Herbst. Zwar noch nicht draußen vor der Tür, aber im Bon Iver Alben-Universum. Dort verkörpert nämlich das Debüt den Winter, das selbstbetitelte zweite Album den frenetischen Frühling, 22, A Million den herausfordernden Sommer und nun kommt also der Herbst in Form von i,i.

Spaß an Kollaborationen

Seit der Veröffentlichung des letzten Albums 2016 hat Justin Vernon offenbar immer mehr Gefallen an Kollaborationen gefunden: angefangen beim PEOPLE Festival in Berlin, das gemeinsame Projekt Big Red Machine mit Aaron Dessner von The National bis zu diversen Gastauftritten und einer Zusammenarbeit mit einem Tanztheater.

Diesen Gemeinschaftsgeist hat Vernon auch auf sein neues Album mitgenommen. Aufgenommen hat er die Songs auf der Sonic Ranch in der Nähe von El Paso. Die benachbarte Pekanussplantage hat er kaum zu Gesicht bekommen, denn er hat sich sechs Wochen quasi nicht aus dem Studio bewegt. Neben der Kernband waren auch eine unübersichtliche Zahl von Gästen an dem Album beteiligt, darunter die Gebrüder Dessner, James Blake, Poliça und noch einige mehr. Zeitweise haben die Musiker alle fünf Studios des Areals gleichzeitig benutzt. Mehr ist also mehr auf i,i? Ja und nein.

Experimentell und radiotauglich

Elektronische Experimente wie auf dem letzten Album gibt es immer noch, aber sie sind nicht mehr die Basis der Songs. Die Sounds wabern wellengleich durch die Songs, Bleeps und Blops, Synthies, Akustikgitarre, Bläser und Klavier tauchen auf und verschwinden wieder. In iMi steht die irgendwie beruhigende Textzeile “I like you/And that ain’t nothing new” im Gegensatz zum Instrumentendurcheinander und statischen Radiorauschen vorher. Hey, Ma ist ein wunderbarer Popsong, der Radiotauglichkeit und Experiment verbindet.

Was bringt nun also der Album-gewordene Herbst im Bon Iversum? Leider haben nicht alle Songs auf i,i das Format von Hey, Ma oder auch U (Man Like). Manchmal wirkt alles ein wenig zu sehr aufgeblasen, dann wäre weniger vielleicht doch mehr gewesen.