Album der Woche: Cody ChesnuTT – Landing On A Hundred

05.11.2012

Vor zehn Jahren erschien Cody ChesnuTT auf der Bildfläche mit einem markigen Lo-Fi-Album. Die Soulszene sah in ihm ihren kommenden Star, nicht zuletzt wegen Songs wie "The Seed", dessen Neuinterpretation zusammen mit The Roots zum Überhit avancierte. Danach war es lange Zeit still um Cody ChesnuTT. Nun meldet er sich mit seinem neuen Album „Landing On A Hundred“ zurück.

Landing On An Hundred – für Cody ChesnuTT steht das für das Ankommen in etwas Wahrhaftem, für die zielstrebige Reise zu sich selbst. Auf dem Weg dahin hat er sich befreit von der oftmals rauen Sprache seiner alten Songs. Auf seinem neuen Album erleben wir einen aufgeräumten Cody ChesnuTT, einen Familienvater, der nun viel reflektierter ans Songwriting geht.

Ich habe verstanden, wie wichtig die Songinhalte sind und wie stark die Macht der Sprache anderer Leute Leben beeinflussen kann. Also wollte ich ein Album aufnehmen, das sehr reflektiert mit dieser Einstellung umgeht. Deswegen ist es ein bisschen anders als mein altes Album. Außerdem finde ich es super, dass selbst meine Kinder das Album komplett hören können, ohne mit beleidigenden Ausdrücken konfrontiert zu werden.

Die Selbstreflexion wird auf dem Album jedoch nicht zum Egotrip. ChesnuTT gibt sich als Beobachter, der sein Umfeld genau unter die Lupe nimmt und es in seine Songs einfließen lässt.

„Landing On A Hundred“ ist sowohl von meinem Leben als auch von den Leuten um mich herum inspiriert. Ich wollte nicht da nicht nur meine Erfahrungen reinpacken, sondern auch die Sichtweisen anderer Leute.

Neu sind nicht nur die fokussierten Inhalte, sondern auch die Finessen im Klang. Als Cody ChesnuTT 2002 sein Debütalbum aufnahm, verkroch er sich noch mit einem Vierspur-Kassetten-Rekorder im Schlafzimmer. Das Ergebnis klang entsprechend ungeschliffen. Ein Jahrzehnt später meldet er sich nun mit einer ausproduzierten Bandplatte zurück. Auf Landing On A Hundred spielt die Big Band samt Bläsern, Streichern und Gospel-Chor groß auf. Kurz vor der Reizüberflutung gönnt Cody ChesnuTT seinen Hörern dann doch hier und da eine Verschnaufpause.

Trotz der aufwendigen Produktion beharrte Cody ChesnuTT auch diesmal wieder auf alten Techniken: Er nahm durchweg analog auf und auch die Instrumente stammen aus alten Zeiten, angefangen beim Schlagzeug:

Das war ein ziemlich altes Schlagzeug, Ein klassisches Vintage-Kit mit riesigen Toms. Und wir haben analog aufgenommen, in Köln und in den Royal Studios. Dort gab es die besten Preise für analoges Aufnehmen.

Die Aufnahmen für Landing On A Hundred fanden sowohl in einem Studio in Köln statt als auch in den Royal Studios in Memphis, Tennessee. Al Green und Chuck Berry haben hier schon aufgenommen. Und man meint den Geist der alten Legenden auch in Cody ChessnuTTs neuem Album zu hören. Das ist Soulmusik in Reinform, die klanglich auf altbewährte Mittel setzt und doch modern ist.