Album der Woche: Console – Herself

06.12.2010

Neues aus Weilheim. Der Elektronik-Tüftler Martin Gretschmann hat sich im Notwist-Tourbus den Laptop geschnappt und ein paar Songskizzen gebastelt. Herausgekommen ist „Herself“ – das neue Album seines Solo-Projekts Console.

Console - Herself

Herself

Console

(Disko B, bereits erschienen)

Gerade in der Vorweihnachtszeit kommt man mit seinem Terminkalender gerne mal ans Limit. Bei Martin Gretschmann ist das wahrscheinlich Dauerzustand, bedenkt man die Vielzahl seiner kreativen Ergüsse: Bei den Bands The Notwist und 13&God ist er der Mann für die Elektronik, als Acid Pauli spielt er Club-Sets und seit ein paar Jahren tobt er sich auch noch auf der Hörspielwiese aus. Und als wenn das nicht schon genug wäre, bringt der Weilheimer nun mit Herself ein neues Console-Album raus.

Die Songs auf Herself changieren zwischen Ambient und Elektro-Pop, wirken dabei unaufdringlich und minimal. Aufgeräumte Sound-Landschaften sorgen für Übersicht und Komplexität zugleich. Herself ist eine der Platten, bei denen man auch nach dem zehnten Durchlauf neue Sounds und Spielereien entdeckt. Und das zeichnete ja z.B. auch das Notwist-Über-Album Noen Golden so aus.

Auf den Konzerten von The Notwist konnte man zuletzt erleben, wie Gretschmann seine Sounds mit Wii-Controllern steuerte. Auch auf dem neuen Console-Album scheint seine Lust am Soundexperiment ungebrochen. Ob Sägezahn-, Pulswelle oder weißes Rauschen – den Synthesizern wird das komplette Modulationsspektrum abverlangt. Vor allem aber klingen die künstlichen Klangerzeuger warm und analog. Der Beat pluckert oft im Hintergrund vor sich hin, um sich in den richtigen Momenten zu einem Percussion-Feuerwerk aufzubäumen. Und das geht auch ohne stumpfe 4-To-The Floor-Attitüde.

Ihren Pop-Appeal entfalten die Songs vor allem dann, wenn Sängerin Miriam Osterrieder ihre eidringliche Stimme beisteuert. „Bit For Bit We’re All Alone“ singt sie – ein Satz, den man so an Häuserwände sprühen möchte und der die Status-Upates und Freundschaftsanfragen der digitalen Welt ad absurdum führt. Trotz der Bits und Bytes, aus denen diese Musik gemacht ist – Herself ist wie ein analog knisterndes Kaminfeuer, das einen gut durch den langen Winter bringt.