Album der Woche: Get Well Soon – The Horror

Irgendetwas stimmt hier nicht

11.06.2018

Konstantin Gropper alias Get Well Soon hat sich von seinen Albträumen zum neuen Album "The Horror" inspirieren lassen. Die Songs verursachen aber glücklicherweise keine Albträume.

Träumt manchmal schlecht: Get Well Soon.
Foto: Clemens Fantur

Get Well Soon - The Horror

The Horror

Get Well Soon

(Caroline, bereits erschienen)

Man will wegrennen, kann aber die Füße nicht bewegen oder man beißt in einen Apfel und die Zähne fallen dabei raus. Das sind typische Albtraum-Szenarien, die sicher jeder schon mal in der Nacht durchlebt habt. Konstantin Gropper ist in einem seiner Träume in einem leeren Haus aufgewacht.

Ich wache auf – im Traum – bin in meinem Haus, das Haus ist leer. Ich gucke aus dem Fenster und es hat so eine Art Erdrutsch stattgefunden. Und ich suche im Haus nach Familie und Freunden. Und ich hab das dann so ein bisschen weitergesponnen in so ein Endzeitszenario mit Bunker und Vorräte ansammeln. Mich interessiert dieses Doomsday Prepping auf ne Art. Nicht, dass ich so was betreibe, aber ich finde das interessant, dass Leute meinen – jetzt wieder, das war ja während des Kalten Krieges auch schon so ne Modeerscheinung, sie müssten sich eben auf den Weltuntergang vorbereiten. Darum gings in diesem ersten Traum. Kollaps habe ich den genannt.

Es geht um Angst

Aber nicht nur Groppers schlechte Träume haben ihren Weg auf das neue Get Well Soon-Album The Horror gefunden. Das große Thema ist Angst. Gropper hat dazu recherchiert und eine Materialsammlung angelegt, um dann aus dem Sammelsurium von Büchern, Filmen und Musik die neuen Songs zu basteln. Mit The Horror reflektiert er die aktuelle gesellschaftliche Stimmung.

Zu dem Thema bin ich gekommen, weil ich im Moment das Gefühl hatte, ich muss ein Album machen, das einen aktuellen Bezug hat. Das irgendwie versucht, das gesellschaftliche Klima einzufangen. Ich wollte nicht noch ein Album machen, was so ganz in seiner eigenen Welt spielt. Und man kommt natürlich relativ schnell zu diesem Thema, wenn man darüber nachdenkt, was in der Welt so los ist. Und die Angst war für mich ein ziemlich großer gemeinsamer Nenner.

Nach dem poppigen Sound des Vorgängers Love, ist The Horror eine musikalische Verbeugung vor dem französischen Filmmusik-Komponisten Philippe Sarde und dem berühmtesten Crooner der Welt: Frank Sinatra. Flöten trippeln und tirilieren durch die Songs, fluffige Streicher bauen ein weiches Bett, triumphierende Bläser erstrahlen.

Orchestrale Herrlichkeit

Auf den ersten Blick mag das Ganze ein wenig anachronistisch wirken, aber Zeitgeist ist hier irrelevant. Denn Get Well Soon wickelt den Hörer ganz wunderbar ein, in orchestrale Herrlichkeit. Dazwischen hat er immer wieder Field Recordings einfließen lassen, von einer Hotelzimmerlüftung oder einer Joggerin.

Es ist sehr viel auch Field Recording auf dem Album. Um dem Ganzen ein Gegengewicht zu geben – einerseits zu diesem orchestralen Klang, andererseits diesem doch sehr idyllischen, träumerischen Klangbild, das das Album hat. Die Field Recordings sollen einen immer wieder zurückholen in die Realität und haben einen recht offensichtlichen thematischen Bezug. Ein Stück heißt „Nightjogging“ und der Beat basiert auf Jogginggeräuschen. Das finde ich durchaus reizvoll, von einem Geräusch auszugehen und das dann quasi auszukomponieren.

Mögen die Melodien auch noch so schwelgerisch sein, unterschwellig schwingt bei The Horror immer ein ungutes Gefühl mit. Irgendwas stimmt hier nicht. Am Ende bietet Get Well Soon immerhin ein kleines Trostpflaster an: So join hands in horror unite! Together let’s stand in darkest night. Gemeinsam schaffen wir das.