Album der Woche: Interpol – El Pintor

Die schicken Schwarzmaler

08.09.2014

In den letzten Jahren war es ruhig um New York Citys schickste Postpunkband Interpol. Nach dem Abgang von Bassist Carlos Dengler und den gemischten Reaktionen auf das letzte Album hatte man die Band fast abgeschrieben. Aber nur fast. Jetzt erscheint mit "El Pintor" das fünfte Album von Interpol.

Ab sofort als Trio unterwegs: Interpol. Foto: Promo

Interpol - El Pintor

El Pintor

Interpol

(Pias Coop/Soft Limit, bereits erschienen)

Mit manchen Bands ist es wie mit einer langen Beziehung. Am Anfang ist man Hals über Kopf verliebt und kann gar nicht genug bekommen. Wenn die erste Verliebtheit vorbei ist, kommen die Probleme. Man bemerkt, dass der andere doch nicht so perfekt ist. Entweder trennt man sich dann, oder man steht es durch. Dann kann daraus eine wohl tuende, stabile Beziehung werden. Mit Interpol verhält es sich so ähnlich. Nach Veröffentlichung ihres Debütalbums „Turn on the bright lights“ waren alle ganz hingerissen. Mit „Our Love to admire“ begannen die Schwierigkeiten, die im Ausstieg von Carlos Dengler gipfelten. Als Trio sind sie stärker sagt Sänger Paul Banks.

Wir mussten einen neuen Weg finden, als Trio zusammenzuarbeiten, eine neue Chemie. Anfangs waren wir wie ein Molekül mit vier Atomen. Jetzt sind es nur noch drei Atome, es ist also ein anderes Molekül, aber die Verbindungen sind stärker, wir sind stärker.

Zurück zu alten Stärken

Während der Zeit ohne Interpol waren die Musiker nicht untätig. Paul Banks hat sein zweites Soloalbum und ein Hiphop-Mixtape veröffentlicht. Gitarrist Daniel Kessler hat ein Fischrestaurant in Brooklyn eröffnet und Drummer Sam Fogarino gründete seine eigene Rockband Empty Mansions. Die Pause voneinander hat ihnen gut getan, denn auf „El Pintor“ besinnen sich Interpol ihrer alten Stärken. Beim letzten Album haben Gitarrist und Bassist bewusst experimentiert, erzählt Paul Banks.

Beim vierten Album wollte Daniel ganz bewusst andere Sachen ausprobieren. Und Carlos hat, unabhängig davon, das gleiche gemacht. Diese Platte war also sehr experimentell, weil sie beide in diese Richtung gedrängt haben. Ich musste sie dabei ein bisschen bremsen. Das war dieses Mal nicht nötig, da hat Daniel einfach straighte Rocksongs geschrieben.

Elegante Verzweiflung

Die Songs auf El Pintor strahlen immer noch die Interpol-typische Mischung aus eleganter Verzweiflung und Düsternis aus. Daniel Kessler baut ganze Kathedralen aus hallenden Gitarren und Paul Banks ergänzt seinen mürrischen Baritongesang mit gelegentlichen Ausflügen ins Falsett. Außerdem spielt er auf dem Album zum ersten Mal Bass.

Der Maler

El Pintor bedeutet der Maler auf spanisch, aber es ist auch ein Anagram von Interpol. Auf dem Albumcover sind ein paar Hände zu sehen. Damit bekommt El Pintor für Paul Banks eine interessante Bedeutung.

Wir hatten zuerst das Artwork, das Bild der Hände. Und als wir uns den Titel überlegt hatten, habe ich mir vor meinem inneren Auge vorgestellt, wie das aussieht: das Bild und die Schrift darüber. Und ich finde es hat so eine Aura, als wäre Gott ein Maler oder ein Maler hat etwas Göttliches. Es hat eine interessante Bedeutung bekommen. Außerdem ist es einfach ein cooler Titel, die Wörter werden auf englisch und spanisch gleich ausgesprochen, also warum nicht? Das sollte jeder lesen können.

Wer die „alten“ Interpol mochte, der wird auch El Pintor mögen. Auch wenn die erste Verliebtheit verflogen und die Beziehung nicht mehr so neu, aufregend und leidenschaftlich ist. Interpol liefern seit 16 Jahren verlässlich gute Songs auf hohem Niveau – und darüber kann man sich auch nicht direkt beklagen.