Album der Woche: Jay-Z – Magna Carta Holy Grail

08.07.2013

Das Geheimnis um "Magna Carta Holy Grail" hat sich lange gehalten. Erste Video-Eindrücke vom Entstehungsprozess sind als Appetithäppchen regelmäßig online aufgetaucht und haben einiges versprochen. Jetzt ist das neue Album von Jay-Z ganz offiziell erschienen.

Magna Carta Holy Grail erreichte bereits am Tag der Veröffentlichung Platin-Status (Foto: PR)

Magna Carta Holy Grail ist das am heißesten diskutierte Album der letzten Wochen. Und das obwohl von der Musik selbst kaum etwas zu hören war. Stattdessen setzt Jay-Z bei seinem zwölften Langspieler auf geheimnisvolles Vorverkaufs-Marketing. Eine Strategie, die dieses Jahr bereits bei Künstlern wie Daft Punk oder Boards Of Canada Früchte getragen hat.

Jay-Z setzt dem Business jedoch die Krone auf und verbindet sich mit Samsung für eine Werbekampagne, die seines Gleichen sucht. Eine simple Handy-App, beworben in der Halbzeitwerbung des NBA-Final-Spiels hat ausgereicht, um die virale Crowd anzuheizen. Die App hat es einer Million Usern ermöglicht, frühzeitig das Album runterzuladen. Genug, um Magna Carta Holy Grail bereits zu diesem Zeitpunkt den Platin-Status zu verleihen.

Große Produktion

Dick aufgetragen hat Jay-Z nicht nur bei der Werbekampagne sondern auch bei der Produktion des Albums. Die macht sich vor allem in den Instrumentals der Stücke bemerkbar und verleiht Magna Carta Holy Grail seine Größe. Die ist vor allem der immensen Unterstützung im Studio zu verdanken. Timbaland, Justin Timberlake, Pharrell Williams und eine Unmenge an weiteren Künstlern haben zur Entstehung des Albums beigetragen.

Es sind gängige Themen eines gestandenen Rappers, die hier ans Licht kommen. Liebe, Familie, aber auch Reichtum und Größenwahn beschäftigen Shawn Carter alias Jay-Z. Bereits vorab konnte man online Carters Statements zu den Songs begutachten. Teilweise nah an der Tränendrüse. Im Song Jay-Z Blue verarbeitet er die Angst, bei der Erziehung seines Kindes zu scheitern. Alle Songs auf Magna Carta Holy Grail wirken durchaus selbstbewusst und mutig, sind aber weniger tiefgründig als auf früheren Alben.

Die Kunst des Marketings

Mit diesem Album setzt Jay-Z zusätzlich auf einer weiteren Ebene Zeichen. Mit dem Hashtag #newrules rief er regelmäßig dazu auf, die Mechanismen der Musikindustrie zu revolutionieren. Und in der Tat ist es ihm gelungen, die neuen Medien für den intensiven Verkauf von Tonträgern zu nutzen. Auch etablierte Instanzen wie die Billboard-Charts hat das Album an die Grenzen ihres Systems geführt. Dort sind die Millionen verkauften Files bisher nicht in die Wertung gekommen.

Es besteht kein Zweifel, dass Formen der Vermarktung im Mainstream ähnlich künstlerisch funktionieren wie das Produkt an sich. In diesem Bereich ist Jay-Z derzeit ungeschlagen. Auch musikalisch besticht die Platte mit Carters üblichen Qualitäten. Allerdings fehlt ein wenig das Sahnehäubchen, dass die Promotion im Vorfeld verspricht.