Album der Woche: Jungle – Jungle

Aus der Hitze des Großstadtdschungels

07.07.2014

Obwohl über Jungle lange nichts bekannt war, wurden ihre Tracks gestreamt und geteilt, ihre Videos hunderttausendfach angeschaut. Denn, egal wer dahinter steckt, ihre souligen Grooves sind einfach unwiderstehlich. Jetzt erscheint ihr Debütlabum.

Josh und Tom (4. und 5. v.r.) sind der Kern von Jungle.

Jungle - Jungle

Jungle

Jungle

(XL/Beggars Group, bereits erschienen)

Jungle sei die mysteriöseste Band Großbritanniens schrieb der NME. Vorher hatten rätselhafte Pressefotos die Runde gemacht und niemand wusste, ob Jungle aus zwei, drei oder fünf Mitgliedern besteht. Die Band hatte sich wirklich alle Mühe gegeben, ihre Identität zu verbergen. Aber spätestens beim ersten Live-Auftritt war es für Jungle vorbei mit der Geheimniskrämerei. Kein Problem für Josh und Tom, sie bilden den Kern der Band und haben eigentlich auch keine Angst vor anderen Menschen. Sie wollten einfach die Musik in den Vordergrund stellen, sagt Josh.

Wir haben versucht, nich egoistisch zu sein. Wir wollten, dass es nur um Jungle geht und nicht um uns als Personen. Ich versuche zum Beispiel auch nicht, bessere Gitarrenparts als T zu schreiben, sondern ich versuche immer, den besten Gitarrenpart für den Song zu schreiben. Wir haben den Leuten nicht unsere Gesichter gezeigt, aber dafür unsere Kunst. Es geht uns einfach darum, unsere Egos außen vor zu lassen.

Erst Nachbarn, dann Bandkollegen

Josh und Tom kennen sich schon seit über zehn Jahren. Sie haben in derselben Straße im Londoner Stadtteil Shepherd’s Bush gewohnt. Eines Tages ist Josh über die Mauer auf das Nachbargrundstück geklettert, wo Tom mit seiner Familie lebte. Seitdem sind sie die besten Freunde.

Als Kind hast du einige Freunde, mit denen du Fußball spielst und mit anderen schaust du dir Filme an. Wir haben zusammen Musik gehört und später auch gemacht. Wir haben die gleichen Bands gemocht, aber uns auch gegenseitig Sachen vorgespielt, die der andere nicht kannte. Manchmal sind wir auch Rollerskates gefahren, aber meistens haben wir uns mit Musik beschäftigt.

Jeder Song braucht Soul

Ihr gemeinsames Interesse an Musik wurde zur Obsession. In der Schule verbrachte Tom ein ganzes Jahr damit, Marvin Gayes What’s Going On und Pet Sounds von den Beach Boys in Einzelteile zu zerlegen und sie auswendig zu lernen. Für ihn sind sie die perfekte Zusammenführung von Aufnahmetechnik und purer Lebensfreude. Und so verhält es sich auch mit ihrer eigenen Musik. P-Funk, Krautrock, Curtis Mayfield, aber auch Computerspiele wie Grand Theft Auto haben ihr musikalisches Schaffen beeinflusst. Herausgekommen ist eine berauschend groovende Mixtur irgendwo zwischen RnB, HipHop und Studio 54. Für Josh und Tom braucht jeder gute Song Soul.

Soul ist für uns nicht eine bestimmte Musikrichtung. Soul ist Musik, die aus dem Herzen kommt. Jede Musik hat Soul, egal ob es Heavy Metal oder Hip Hop ist. Bei unserem Album gab es bei jedem Song einen Moment, wo wir total aufgeregt und happy waren. Dann fließt das Adrenalin durch deine Adern und du weißt, DAS ist es. Und wenn du das nicht fühlst, dann hat der Song keinen Soul.

Wo Jungle draufsteht, ist Groove drin

Wer könnte dem jungen Mann da widersprechen? Jungle haben das mit dem Soul jedenfalls schon sehr gut raus. Mit ihren lässigen, ausgelassenen Songs werden sie uns in den kommenden Monaten noch sehr viel Freude bereiten. Und ob die Band nun fünf oder siebzehn Mitglieder hat, spielt doch am Ende eh keine Rolle.