Album der Woche: LCD Soundsystem – American Dream

Bowie hat's gesagt

04.09.2017

Im Jahr 2011 haben James Murphy und LCD Soundsystem ihr "letztes" Konzert gespielt, lange hat er es ohne Musik jedoch nicht ausgehalten. Schon vor zwei Jahren gab es Gerüchte über eine Wiedervereinigung. Als dann sogar die Rede von einem neuen Album war, stand die Musikwelt Kopf. Jetzt erzählt uns Murphy etwas von seinem "American Dream".

LCD Soundsystem - American Dream

American Dream

LCD Soundsystem

(DFA Records/Columbia, bereits erschienen)

LCD Soundsystem sind zurück

Wie fühlt man sich als Fan, wenn man das ganze Taschengeld ausgegeben hat, um beim letzten Konzert der Lieblingsband dabei zu sein, sich natürlich auch die DVD sowie die Vinylbox gekauft hat und dann dauert es gerade mal fünf Jahre bis die Band doch wieder auf der Bühne steht. Überwiegt die Freude oder fühlt man sich veräppelt? Die Erkenntnis, dass der historische Moment letztlich doch gar nicht so historisch war, könnte sauer aufstoßen. Fans von LCD Soundsystem können sich das derzeit überlegen. Denn sieben Jahre nach ihrem letzten Studioalbum und sechs nach ihrem angeblich letzten Konzert veröffentlicht die Band um den Tausendsassa James Murphy mit American Dream ein neues Album. Und damit beweist Murphy allen, dass er es immer noch drauf hat.

Wer spielt bei dir zu Haus?

Kurzer Rückblick: 2002 gründet James Murphy LCD Soundsystem, 2005 erscheint ihr erstes Album, das gleich für den Grammy als „Bestes Electronic/Dance-Album“ nominiert wird. Die Single Daft Punk Is Playing At My House wird ebenfalls für einen Grammy nominiert und außerdem seitdem Pflichtprogramm bei jeder Indiedisko. Ohne ihren Dance-Rock, den Murphy auch mit seinem Label DFA Records populär macht, geht während der Nuller-Jahre gar nichts.

In den vergangenen Jahren hat Murphy natürlich nicht auf der faulen Haut gelegen, er hat unter anderem an David Bowies letztem Album Blackstar mitgewirkt. Kein geringerer als Bowie war es dann auch, der ihn dazu ermutigt hat, seine Band wiederzubeleben. Wer könnte da widersprechen? Referenzen zu seinem großen Vorbild finden sich auf American Dream einige. Ob in den plötzlichen Ausbrüchen dünner, verzerrter Gitarren in dem Song Change Yr Mind oder im Rückblick auf sich selbst als junger Fan, der sich über Bowies „hands in their weird positions“ wundert.

Vergangene Freundschaften und Älterwerden

American Dream ist gespickt mit Anklängen an Talking Heads, Suicide oder New Order. Denn ein großer Auskenner ist Murphy auch schon immer gewesen.

LCD ist eine Band über eine Band, die Musik über das Musik schreiben schreibt, James Murphy in einem Interview

Bei LCD Soundsystem bedeutet das groovende Synthies, Cowbells und Four-to-the-floor-Beats, die James Murphy dabei begleiten, wie er sich Gedanken über vergangene Freundschaften oder das Älterwerden macht.

Ob in die Jahre gekommener Musiknerd, enthusiastischer Indierocktänzer oder sarkastische Skeptiker – mit American Dream hat James Murphy sie alle in der Tasche. Mal wieder. Und alle LCD-Fans, die sich immer noch ein bisschen auf den Arm genommen fühlen, ganz bestimmt auch.