Album der Woche: Michael Kiwanuka – Home Again

12.03.2012

Michael Kiwanuka stand auf der BBC-Newcomerliste 2012 ganz oben und hat schon jede Mene Vorschusslorbeeren kassiert. Zu Recht, wie sich mal wieder rausstellt, denn sein Debütalbum Home Again hat in der Tat alles, was ein erfolgreiches Popalbum in diesem Jahr braucht.

Die zeitgenössische Version von 70er Jahre Folk und Soul - Michael Kiwanuka (Foto: Sam Butt / Universal)

Tell Me A Tale, also „Erzähl mir eine Geschichte oder ein Märchen“ heißt das erste Stück auf Michael Kiwanukas Debütalbum Home Again. Ein bisschen märchenhaft ist seine Karriere jetzt schon: In nur wenigen Monaten hat er es von kleinen Auftritten in stinkigen Pubs zu einem Major-Plattenvertrag und Auftritten im Vorprogramm von Adele geschafft. Verwunderlich ist das nicht, so sind Künstler, die irgendwie nach retro und früher klingen, heutzutage noch Garanten für einigermaßen stabile Verkaufszahlen. So einer ist auch Michael Kiwanuka: Seine musikalischen Wurzeln liegen irgendwo zwischen Otis Redding, Nick Drake und Paul Simon. Mit jazzigen Flötenklängen, Streichern und seinem leicht verwaschenen, aber eindringlichen Gesang nimmt er den Hörer im Handumdrehen mit in sein Universum.

Der Sohn ugandischer Eltern, die in den 70er Jahren nach England kamen, wuchs in Muswell Hill auf – ein beschaulicher Vorort Londons. Seine Lehrer ermutigten ihn schon früh, seinen musikalischen Ambitionen nachzugehen. Er lernte Gitarre spielen und begann Jazz zu studieren. Michael brannte jedoch darauf, eigene Songs zu schreiben und zu spielen und brach das Studium ab. Auf Communion Records, dem Plattenlabel des Mumford & Sons Keyboarder Ben Lovett, veröffentlichte er seine ersten EPs.

Michael Kiwanukas Musik ist die zeitgenössische Version von 70er Jahre Folk und Soul. Aber trotz seiner offensichtlichen Vorlieben sind seine Stücke nicht langweilig oder vorhersehbar. Er schafft es, zu überraschen und den Songs seinen Stempel aufzudrücken. Seine Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit überzeugen. Seine warme, leicht raue Stimme hat etwas Tröstliches.

Glaube und Spiritualität spielen für den 24-Jährigen eine wichtige Rolle, und so arbeitet er in seiner Musik nicht zerbrochene Beziehungen auf, sondern hält Zwiesprache mit Gott, wie man in dem Stück I’m Getting Ready besonders deutlich hört. Er ist auf der Suche nach Seelenfrieden, Liebe, der Rückkehr nach Hause. In Bones kommt sogar ein Gospel-Chor zum Einsatz, I’ll Get Along wartet mit noch mehr Jazzflöten auf und in Worry Walks Beside Me versucht sich Michael Kiwanuka in schwerfälligem Blues.

Home Again von Michael Kiwanuka mit seinem von warmen Herbstlicht durchflutetem Soul ist Balsam für die Seele, solange der Frühling noch auf sich warten lässt.