Album der Woche: Nils Frahm – Spaces

25.11.2013

Der Pianist Nils Frahm hat sich mit seinen intimen Klavieraufnahmen einen Namen gemacht. Mit seinem Live-Album "Spaces" kommt er der Bitte seiner Fans nach, eine Platte aufzunehmen, die das Erlebnis eines seiner Konzerte widerspiegelt.

Nils Frahm liebt das Improvisieren. Das tut er auch auf seinem Live-Album “Spaces”. (Foto: Michal O’Neil)

Musik aus den Bereichen Neo-Klassik oder Avantgarde spielen wir bei detektor.fm ja nicht so häufig. Das wird sich zumindest in dieser Woche ändern, denn unser Album der Woche kommt von Nils Frahm. Der Pianist und Klangsammler lebt und arbeitet in Berlin. Er tritt in Konzerthallen auf, aber auch in Clubs und auf Festivals. Jetzt ist sein Live-Album Spaces erschienen.


Das Album der Woche wird präsentiert von Sonos – das Wireless Hifi-System.


Das Live-Album an sich hat ja einen eher zweifelhaften Ruf. Zumindest wenn es sich um Pop- oder Rockbands handelt, ist dieses Format nicht so wahnsinnig interessant. Neues gibt es darauf oftmals ohnehin nicht zu hören, die Sound-Qualtität lässt zu wünschen übrig und beim Konzert dabei gewesen zu sein, ist eben doch viel schöner. Anders sieht es bei Musik aus, die stärker auf Improvisation basiert. Für den Berliner Musiker und Produzenten Nils Frahm spielt Improvisation eine große Rolle. Die Stücke auf seinem Album Spaces sind zum Teil komponiert, zum Teil improvisiert.

Das Live-Album als Collage

Spaces ist kein herkömmliches Live-Album. Der 31-Jährige hat die Stücke über einen Zeitraum von zwei Jahren aufgenommen. Er hat seine Konzerte mit unterschiedlichen Geräten wie einem Tonbandgerät oder einem Kassettendeck mitgeschnitten und die besten Takes später wie eine Collage zusammengesetzt.

Klassik mit Effektgeräten

Frahm mischt klassisches Klavierspiel mit zeitgenössischen Einflüssen. Als Kind bekommt er Klavierunterricht, mit 13 sammelt er alte Keyboards, Synthesizer und Effektgeräte. Inspiriert von Jazzfusion-Künstlern wie Miles Davis und Chick Corea beginnt er, mit diesen Instrumenten zu experimentieren. 2008 gründet er das Durton Studio in Berlin. Neben seinem Projekt als Solokünstler arbeitet er mit anderen Musikern wie Ólafur Arnalds und Peter Broderick zusammen.

Die Tracks auf Spaces bestehen aus Miniaturen und sich wiederholenden Fragmenten. Frahm spielt Klavier, Orgel und Synthesizer, bedient Effektgeräte und spielt auch schon mal mit Klobürsten auf den Saiten eines Flügels.

Das Publikum spielt auch mit

Das Publikum ist ein wesentlicher Bestandteil der Performance, sagt Nils Frahm. Zwischen ihm und den Zuhörern gibt es einen Austausch, ein ständiges Geben und Nehmen. Auf Spaces hat er deshalb bewusst einen Track verwendet, auf dem jemand hustet und ein Handy klingelt.

Musik zum Zuhören

Spaces ist ein Album zum Zuhören. Die Stücke sind gerne mal zehn Minuten lang und man kann sich entspannt darin vertiefen. Damit ist es schon ziemlich nah an einem tatsächlichen Konzert, bei dem man sich idealerweise ja auch ganz auf die Musik einlässt. Außerdem erinnert uns Nils Frahm daran, dass es eben nicht die eine richtige Version eines Stücks gibt. Musik ist immer ein Momentaufnahme. Und in diesem Fall kann der Moment gerne ein bisschen länger dauern.