Album der Woche: Norman Palm – With Odd Man Out

11.12.2012

Der Berliner Norman Palm ist eigentlich als klassischer Singer/Songwriter bekannt. Jahrelang zog er mit Gitarre und Laptop durch die Lande. Mittlerweile hat sich das Einmann-Projekt zur vollwertigen Band gemausert und legt seinen ersten Langspieler vor: „Norman Palm With Odd Man Out“.

v.l.n.r.: Janne Lounatvuori, Norman Palm und Obi Blanche (Foto:Mirjam Wählen)

Norman Palm – dieser Name hat sich in den vergangenen Jahren ganz langsam, aber beständig rumgesprochen. Erst auf Blogs, dann im Publikum hiesiger Live-Clubs. 2008 machte Norman Palm durch ein Cover von The Cure auf sich aufmerksam, vor zwei Jahren veröffentlichte er sein Album Shore To Shore auf City Slang. Jetzt ist sein drittes Album erschienen: With Odd Man Out heißt das, aber ein richtiger Albumtitel ist das eigentlich auch nicht:

Es ist ein Kompromiss, dass die Platte „With Odd Man Out“ heißt. Denn Norman Palm und Odd Man Out ist die Band und ich. Aber man muss ja auch in das Feld „Albumtitel“ was eintragen.

Das Solo-Projekt „Norman Palm“ wird also langsam zur Band. Palm bekommt Unterstützung von zwei finnischen Musikern, die wie er auch in Berlin leben. Die lose Formation ist zu einer Band gewachsen. Und so tragen die zwei Finnen maßgeblich zum neuen Sound der Band bei.

Es ist auf jeden Fall größer und lauter geworden. Das liegt aber daran, dass wir als Band die Sachen schon vorher live und im Proberaum gespielt haben. Früher habe ich meine Alben meist am Computer vorproduziert. Wenn man Musik am Computer macht und arrangiert klingt es einfach anders, als wenn man im Proberaum steht. Deshalb klingt das Album schon lauter und rockiger, aber eben auch einfacher. Es gibt nicht so viel Details, die man ausarbeiten musste. Es ist einfach eine direktere Platte.

Eigentlich kennt man Palm als soften Elektro-Folk-Musiker. Auf seinem neuen Album schlägt er härtere Töne an. Seine sanfte Stimme bleibt dennoch führend.

Wir haben uns in Berlin getroffen, da einen Monat geprobt, die Songs weiter ausgearbeitet und dann relativ schnell innerhalb einer Woche in Leipzig das Album aufgenommen. Die Songs haben wir auch alle als Band eingespielt und nicht Spur für Spur.

Sein letztes Album hat Norman Palm auf dem Label City Slang veröffentlicht. With Odd Man Out ist nur digital auf Bandcamp erschienen, ohne Label, ohne Vertrieb. Ein eher ungewöhnlicher Schritt – für Norman Palm jedoch kein Rückschritt.

Es hätte eine ganze Weile gedauert, das Album auf einem Label zu veröffentlichen. Denn so ein Release bedarf allerlei Planung und Finanzierung. Dadurch hätte sich alles verschoben und das hat mir nicht gefallen. Meine erstes Album war so eine Art Kunstbuch, das ich auf meinem eigenen Label rausgebracht habe, dann kam das richtige Label und jetzt erschien es mir als zeitgemäß, das Album einfach direkt ins Netz zu stellen.

Der Hörer kann sich das Album kostenlos bei Bandcamp laden, kann aber auch etwas bezahlen und selbst den Preis bestimmen. Für Musiker ist das Hochladen auf Bandcamp kostenlos, die Promo über soziale Netzwerke auch. Palm erzielt mit dem Zahl-was-du-willst-Prinzip zwar geringe Einnahmen, hat aber auch geringe Ausgaben, was die Vermarktung der Platte angeht. Wer jedoch denkt, Palm holt das verlorene Geld mit seinen Live-Shows wieder rein, der irrt:

Wenn man riesige Konzerte spielt und die Produktionskosten gering hält, dann kann man vielleicht seine Gewinne im Live-Bereich einspielen. Wenn man allerdings auf kleinen Bühnen steht, muss man z.B. einen Bus mieten, die anderen Musiker bezahlen usw. Davon seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, ist selbst mit etwas Erfolg ziemlich schwierig. Deswegen dachte ich mir, wenn eh kein Geld dabei rumkommt, kann ich auch alle Faktoren ausschalten, die keinen Spaß machen.

So scheint es, dass eine große Aufmerksamkeit nicht mit hohen Einnahmen gleichzusetzen ist. Denn Aufmerksamkeit bzw. Promo, gerade bei einem größeren Label, kostet Geld. Und das muss erst mal wieder durch Plattenverkäufe reinkommen, bevor der Künstler selbst daran verdienen kann. Und gerade in Mikrocent-Zeiten á la Spotify und Co. ist das nicht gerade einfach. Selbstvermarktungstools wie Bandcamp, Facebook oder Crowdfunding zeigen den Künstlern neue Wege. So stellt sich erneut die Frage nach der Notwendigkeit von Plattenfirmen.

Norman Palm hat ein Album geschaffen, auf dem man spürt, dass es ohne Druck und ohne jede Konvention entstanden ist. With Odd Man Out ist voller Querverweise und Spielereien. Man hört den Spaß förmlich, der im Studio herrschte. Und bei entsprechender Zahlbereitschaft erscheint vielleicht doch noch irgendwann eine schicke Vinylschallplatte von Norman Palm With Odd Man Out.