Album der Woche: Phoenix – Bankrupt!

15.04.2013

Mit ihrem letzten Album „Wolfgang Amadeus Phoenix“ gelang der Band Phoenix der große Wurf. Die Franzosen wurden überschüttet mit goldenen Schallplatten und konnten sogar einen Grammy einheimsen. Für den Nachfolger „Bankrupt!“ haben sie sich vier Jahre Zeit gelassen. Vor lauter Ideen fanden sie beim Aufnehmen des Albums fast kein Ende.

Phoenix haben sich für “Bankrupt!” von italienischer Musik inspirieren lassen. (Foto: Warner)

Als uns Phoenix mit Entertainment den ersten Vorgeschmack auf ihre neue Platte präsentierten, dachten sich wohl einige: Aha, es geht also nach Asien. Und in der Tat, der leicht kitschige, pseudo-asiatische Sound zieht sich durch das gesamte Album. Den Grund dafür kennen die Musiker selbst nicht so genau. Es hat sich halt so ergeben. Diese etwas unorganisierte Herangehensweise war von der Band durchaus gewollt sagt Gitarrist Christian Mazzalai:

Wir wollten etwas Neues erschaffen. Wir dachten immer, dass das Album in zwei oder drei Monaten fertig sei. Das ging dann aber fast zwei Jahre lang so. Wir hatten es also zwei Jahre lang eilig. Es war sehr schwammig und chaotisch. Es war aber hoffentlich ein gutes Chaos.

Für eineinhalb Jahre hatte jeder der vier Musiker einen mp3-Rekorder dabei und nahm einfach alles auf, was ihm in den Sinn kam. So entstand eine Riesendatenbank mit Klängen und Songfragmenten. Christian Mazzalai und seine Mitstreiter haben diese in monatelanger Friemelarbeit zum fertigen Album zusammengebastelt. Für Bankrupt! haben sie sich von italienischer Musik inspirieren lassen.

Unsere letzten beiden Alben waren eher durch die Einschränkung inspiriert, also eher deutsch, so wie Kraftwerk oder Neu!. Auf diesem Album nehmen wir die entgegen liegende Seite von europäischer Musik. Das sind mehr Emotionen ohne Tabus. Wir haben das mit Begeisterung entdeckt. Das war eine fantastische Entdeckung, eine neue Ära für uns.

Synthesizer-Flächen prägen neben pseudo-asiatischen Tonfolgen das Album. Im Studio galt ihre Begeisterung vor allem zwei Instrumenten.

Da waren zwei Synthesizer. Einer gehört einem Freund, der das Studio betreibt. Wir haben den nie gemocht. Mein Bruder Branco hat den ausprobiert. Und jetzt ist der fast auf jedem Song des Albums dabei. Das war aber nicht so geplant. Es gibt auch einen weiteren. Am ersten Tag der Aufnahmen haben wir in einem billigen Laden ein kleines Spielzeug gekauft, ein Keyboard aus den frühen 80ern. Das war für Kinder gedacht. Das haben wir auch fast auf jedem Song benutzt.

Phoenix stapeln Schicht um Schicht aufeinander. Der Unterschied zwischen Drum-Computer und echtem Schlagzeug, Keyboard und Gitarre ist nicht mehr auszumachen. Wie schon beim letzten Album, saß auch bei Bankrupt! wieder Philippe Zdar hinter den Reglern und verpasste den Stücken den nötigen Druck. Zwischen all dem lärmenden Synthie-Sounds erscheint Thomas Mars‘ ohnehin leicht melancholische Stimme noch etwas verzweifelter.

Der Titeltrack beginnt mit einem plätschernden Elektronik-Intro und entwickelt sich in über sieben Minuten zu einer New-Romantic-Hymne.

Im Jahr vier nach dem Überalbum Wolfgang Amadeus Phoenix kommen Phoenix also mit einer neuen Platte um die Ecke, die Bankrupt! heißt. Eine Bankrotterklärung ist sie aber ganz sicher nicht. Denn trotz der Tendenz zum Chaos und einer recht eigenwilligen Herangehensweise – eines hat die Band nicht verlernt: berauschende, unwiderstehliche Hits schreiben.