Album der Woche: Sharon Jones & The Dap-Kings – I Learned The Hard Way

19.04.2010

Soulmusik zu hören ist oftmals wie das eigene Liebesleben Revue passieren zu lassen: Romanzen, die erste große Liebe, Eifersucht, Verlassenwerden, Herzschmerz – eben alles, womit man/frau sich im Laufe der Jahre so herumschlagen muss. Sharon Jones hat auch schon die ein oder andere Enttäuschung erlebt, und das nicht nur in Sachen Liebe. Auch ihr viertes Album „I Learned The Hard Way“, das die New Yorkerin mit ihrer Band The Dap Kings kürzlich veröffentlicht hat, dreht sich thematisch fast ausschließlich um – richtig geraten – die Liebe.

Sharon Jones & The Dap-Kings - I Learned The Hard Way

I Learned The Hard Way

Sharon Jones & The Dap-Kings

(Daptone Records / Groove Attack, bereits erschienen)

Sharon Jones musste sich schon einiges anhören: Sie sei zu fett, zu klein, zu hässlich und zu schwarz um im Musikbusiness erfolgreich zu sein. Tja, so kann man sich irren: Frau Jones ist mit ihrer Band The Dap Kings seit Jahren DIE feste Größe im Soul-Revival und mit ihrem mittlerweile vierten Album I Learned The Hard Way erhält sie endlich auch hier die verdiente Aufmerksamkeit.


Bis es soweit war, musste sich Sharon Jones mit allerlei Nebenjobs durchschlagen: Sie war unter anderem Gefängniswärterin, Geldtransport-Wächterin und Hochzeitssängerin. Musik ist jedoch immer ihre Leidenschaft geblieben und als sie 1996 von den beiden Produzenten und Plattenlabel-Inhabern Gabriel Roth und Philip Lehmann zu Aufnahmen eingeladen wird, wendet sich das Blatt. Sharon Jones soll zusammen mit zwei weiteren Sängerinnen die Backing Vocals für die Deep Funk-Legende Lee Fields einsingen. Als die beiden anderen nicht erscheinen, singt sie kurzerhand alle Parts selbst. Schwer beeindruckt entscheiden sich Lehmann und Roth gleich noch einen Solosong mit Jones aufzunehmen. Es folgen drei weitere Singles und unzählige Konzerte.

Soul im traditionellen SoundkleidSharon JonesSoul im traditionellen Soundkleid 

Im Jahr 2000 gründet Gabriel Roth das Label Daptone Records und mit einigen befreundeten Musikern gleich noch die hauseigene Band The Dap Kings dazu. Sharon Jones soll ihre Sängerin werden. Jones ist zunächst skeptisch, was sollen diese kleinen, weißen Jungs schon über Funk wissen? Doch ihre Zweifel halten gerade mal bis zum ersten Live-Auftritt der Band. Zusammen mit den Dap Kings nimmt sie 2001 ihr erstes Album Dap Dippin auf, das auch die erste Veröffentlichung des neuen Labels Daptone Records ist. Sharon und die Dap Kings touren unermüdlich und erspielen sich mit dem zweiten Longplayer Naturally eine stattliche Fangemeinde. Nach etlichen Umbesetzungen hat sich 2004 auch bei den Dap Kings ein endgültiges Line-Up herauskristallisiert. Die Band ist gefragt: Jurassic 5 und Kanye West samplen ihren Sound, sie spielen für Marc Ronson, Robbie Williams und tragen nicht zuletzt zum Welterfolg von Amy Winehouse bei.

Das neue Album von Sharon Jones & The Dap Kings mit dem Titel I Learned The Hard Way beeindruckt abermals mit authentischem 60er Jahre-Soul-Sound und natürlich der kraftvollen, dynamischen Stimme der Sängerin. Es ist nicht mehr so funky wie noch sein Vorgänger 100 Days, 100 Nights, dafür bekommt Sharon häufiger die Möglichkeit, die ganze Bandbreite ihrer Singstimme zu präsentieren. Mitreißend, trotzig und zärtlich besingt sie Sehnsucht, Kummer und ehemalige Männer ohne dabei zu traurig oder selbstmitleidig zu klingen. Im Song Better Things To Do stimmen lässige Gitarren und eingängige Trompeten sogar froh und optimistisch. Eifersucht lässt sich mit den Streichern in Window Shopping besser ertragen, Sam Cooke und Otis Redding klingen im letzten bluesigen Stück Mama Don’t Like My Man an.

Wer Soul mag, der wird auch an I Learned The Hard Way Gefallen finden – Sharon Jones & The Dap Kings ist es zu verdanken, dass man ihn heutzutage wieder in seinem traditionellen Soundkleid zu hören bekommt. Selbstredend wurde das Album mit analogem Original-Equipment aufgenommen. Natürlich muss man diese Band einmal live gesehen haben, denn für alle, die bei James Brown und Konsorten noch zu jung waren, ist das DIE Gelegenheit Soul und Funk in Bestform zu erleben.