Album der Woche: Summer Camp – Summer Camp

16.09.2013

Wer hat die amerikanischen Kids aus dem Fernsehen nicht um ihre ewigen Sommerfreien beneidet? Drei Monate frei! Weil die so lang sind, stecken die Amerikaner ihre Teenager gern in Summer Camps. Und in dieser Zeit kann eine Menge passieren: Erster Kuss, Erste Liebe, Erster Korb – darum geht’s auch auf dem neuen Album der britischen Band Summer Camp.

Summer Camp ist das Ehepaar Elizabeth Sankey und Jeremy Warmsley. (Foto: PR)

Zeitmaschine auf Jugend, los! Summer Camp schicken uns schnurstracks zurück in eine Zeit von der die meisten froh sind, sie überstanden zu haben. Dabei war die Jugend doch eigentlich neu und aufregend. Daran erinnern Jeremy Warmsley und Elizabeth Sankey auf ihrem zweiten, selbstbetitelten Album. Und sie erinnern daran, dass unsere Teenagerzeit eigentlich viel zu schnell wieder vorbei war.

Die zwei Briten – übrigens verheiratet – tragen ihre rosa-roten Brillen mit Überzeugung. Das schlägt sich auch in den zuckrigen Arrangements nieder. Luftiger Funk-Beat, aufgekratzte Gitarre und melodramatische 50er-Jahre Filmstreicher – so klingt die Stimmung von 15-Jährigen, die zum ersten Mal verliebt sind. Die erste große Liebe, so schön, dass das gebrochen Herz die Erinnerung daran sogar noch süßer macht.

It was the first time that I failed, first time I lost my head. No heartbreak has ever been this good. I’d rather be hurt by you instead. And at the end of it all, my heart was black and blue. But sometimes late at night, I still ask myself if you remember the first time.

Probleme einfach wegsingen

Bei Summer Camp klingt Jugend wie ein einziges High School Musical. Und das ist so fantastisch erzählt, dass sich auf Albumlänge ein ganzer Film im Kopf abspielt. Anders als auf dem noch recht elektronischen Debütalbum kann Sängerin Elizabeth Sankey hier ihre Stimme voll ausnutzen und mit ihr spielen. Das kommt der Dramaturgie der Songs sehr entgegen: Sie singt ihren eigenen Backingchor und beantwortet sich so ihre eigenen Fragen. Probleme werden einfach weggesungen.

Jeremy Warmsleys Songwriting ergänzt die Lyrics seiner Partnerin perfekt. Zusammen mit Elizabeth Sankeys luftiger aber kraftvoller Stimme inszeniert er die adoleszenten Liebesdramen in angemessener Opulenz. Dabei greift Warmsley immer wieder zu unterschiedlichsten Mitteln: Pfeifen imitieren das Vogelzwitschern auf der Terasse, Percussions schimmern wie Pailletten auf dem Ballkleid, der Bass pocht in stiller Erwartung.

Fast wie damals

Das nächtliche Date im Auto wird im Duett zelebriert. Feuchte Handflächen inklusive. Die Autofahrt zum Aussichtspunkt, dann Knutschen auf der Rückbank, als ob die Zeit still steht. Summer Camp schaffen es, dass sich die unbeholfenen Annäherungsversuche auf der Rückbank ganz locker und unverkrampft anfühlen. Wäre das nur wirklich so gewesen…

My breath is yours, everything that I have is for you – is for you – is for you – is for you!

Summer Camp ist ein wunderbares, verspieltes, sehnsuchtsvolles Album. Und im Gegensatz zu ihrem Erstling ein absolut un-hippes Album. Denn von Ironie gibt es keine Spur. Summer Camp meinen es todernst mit ihrem liebestrunkenen Musical-Pop. Aber eigentlich scheinen sie eh nur über sich und für sich selbst zu singen.