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Haben noch nie ein schlechtes Album gemacht: Tindersticks.
Foto: Richard Dumas & Suzanne Osborne

Album der Woche | Tindersticks – No Treasure But Hope

Raum für das Menschliche

In fast dreißig Jahren Bandgeschichte haben Tindersticks noch nie ein schlechtes Album veröffentlicht. Die Band hat sich auch noch nie um den Zeitgeist geschert und zelebriert lieber ihren Sound zwischen Champerpop und Indierock. Auf „No Treasure But Hope“ zeigen sie sich auf der Höhe ihrer Schaffenskraft.

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Das Album der Woche wird präsentiert von Dockin. Promo-Code: detektor.fmDockin10


Stuart Staples ist keiner, der lange stillsitzen kann. Nach dem letzten Tindersticks-Album The Waiting Room hat der Sänger viel Zeit allein in seinem Studio verbracht und zwei Soloplatten aufgenommen. Für No Treasure But Hope, das neue Album seiner Band, lag der Fokus deshalb umso mehr auf Teamwork.

Wir als Band haben mittlerweile ein fast intuitives Level der Zusammenarbeit erreicht. Was zwischen uns fünf passiert ist sehr kraftvoll. Aus dieser Situation heraus sind die neuen Songs entstanden. Es war mir und uns wichtig den Fokus auf das Menschliche zu legen, das Körperliche, den Moment. Außerdem finde ich das sehr progressiv. Wir sind alle so sehr mit unserer Technik verbunden und das hört man auch in der Musik, die heute gemacht wird. Das muss nicht unbedingt schlecht sein. Aber wir fanden es am interessantesten, einen Raum für uns und diese Songs zu schaffen.

Beschwingt mediterran

In gerade mal fünf Wochen hat die Band die neuen Songs aufgenommen und gemischt, eine eher ungewöhnliche Vorgehensweise für die Engländer. Vor allem im Vergleich zum letzten Album wirken die Stücke leicht zugänglich, ohne Brillianz oder Tiefe einzubüßen. Es gibt sogar beschwingte, mediterran anmutende Momente inklusive Bouzouki, wie in Pinky In The Daylight – dem ersten „richtigen“ Liebeslied, das Staples geschrieben hat.

Das ist neu für mich. Als mir die Idee für den Song gekommen ist, war das so unkomplizert und so fröhlich, daran bin ich gar nicht gewöhnt. Aber ich vertraue immer meiner Idee, also habe ich mich daran gehalten. Die restlichen Stücke auf dem Album sind ja auch ganz anders, zum Teil sehr düster. „Pinky“ balanciert das ein bisschen aus.

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Intuitive Wärme durchfließt die Stücke auf No Treasure But Hope. Die üppigen Melodien werden mal von Klavierakkorden, mal von einem Vibraphonteppich getragen, ergänzt von einer grazilen Gitarre und erhabenen Streicher- und Bläsersätzen.

Die Texte hat Stuart Staples im Herbst 2018 auf der griechischen Insel Ithaka geschrieben. Ithaka ist ein Ort, der für den 54-Jährigen immer sehr paradiesisch war, vor dem die Entwicklungen der letzten Jahre aber nicht Halt gemacht haben.

Der Song „See my girls“ hat vor vielen Jahren auf dieser Insel begonnen. Und zwar mit der Idee eines Mannes, der Zeitungen aus der ganzen Welt verkauft, aber selbst seinen Wohnort noch nie verlassen hat. Dann wurden die Nachrichten aber immer negativer. Das Mittelmeer ist nicht mehr der idyllische Ort, der es für mich lange war. Es ist voller Geister. Außerdem komme ich ja auch von einer Insel und dort hat sich die Stimmung verändert. Der Song vereint all diese verschiedenen Ideen und ist nicht nur träumerisch.

Meister der Melancholie

Keinem Tindersticks-Album fehlt es an Bedeutung, aber die intimen, expansiven Stimmungslieder auf No Treasure But Hope graben sich noch ein bisschen tiefer ein. Damit beweisen die Engländer einmal mehr ihren Status als Meister der stilvollen Melancholie.