Album der Woche: Warpaint – The Fool

25.10.2010

Die Band Warpaint trägt das Düstere, das Bedrohliche nicht nur im Namen, sondern verleiht ihm auch in der Musik Ausdruck. Verantwortlich dafür sind vier Frauen aus Los Angeles, die mit „The Fool“ nun ihr Debütalbum rausbringen.

Warpaint - The Fool

The Fool

Warpaint

(Rough Trade, bereits erschienen)

Es schwingt immer ein bisschen Skepsis mit, wenn Bands von der Westküste Amerikas mit einem über alle Kanäle kommunizierten Promi-Glamour nach Europa exportiert werden. Heath Ledger hat ihnen vor seinem Ableben Lob ausgesprochen, RZA vom Wu-Tang Clan schwärmt von ihren Konzerten und John Frusciante von den Red Hot Chili Peppers hat ihre erste EP produziert. Die Namen mit denen sich Warpaint schmücken, können sich sehen lassen. Das war’s dann aber auch schon mit den Hollywood-Referenzen. Denn der Sound von Warpaint ist alles andere als glamourös.

In zumeist 5-minütigen Klangcollagen entwirft das Frauen-Quartett morbide Schattenwelten. Die Hall- und Delay-Effekte stehen auf Anschlag, atmosphärisch dichte Harmoniegesänge ergänzen sich mit psychedelischen The Cure-Gitarren. Und da ist es wieder – das nie endende 80er Revival. Dabei wäre es doch längst mal an der Zeit, die ewigen 80er-Vergleiche ruhen zu lassen und die offensichtlichen, aktuellen Bezüge herzustellen. Denn mit ihrem verwaschenen Shoegaze-Sound treffen Warpaint den Nerv einer Zeit, in der sich Bands wie Best Coast, School Of Seven Bells oder The XX großer Beliebtheit erfreuen.

Die englische Fachpresse hat Warpaint gar nicht mal so unpassend in die „Slowcore“-Sparte einsortiert. Was zählt, ist der Spannungsbogen, der erst ein paar Minuten lang aufgebaut werden will. Da muss der Gesang auch mal sirenenartig an der Schwelle zur Dissonanz bohren. Auf den radiotauglichen Indie-Hit wird bewusst verzichtet. Vielmehr wird auf The Fool geschichtet was das Zeug hält, zuweilen bis zur Reizüberflutung. So viele Ideen auf einmal kann das Gehirn gar nicht verarbeiten, doch umso eindringlicher wird die Intensität der Songs beim zweiten und dritten Hören.

Der Song Baby scheint da wie ein Querschläger: Reduziert auf die Akustik-Gitarre wiederholt Jenny Lee Lindberg die Textzeile „thinking in circles“, die das Thema des Albums auf den Punkt bringt. Es geht um das Nichtbegreifen, das Kapitulieren vor der Komplexität der Dinge. Treffenderweise beschreiben Warpaint ihre Musik mit „overall underwater mood“. Alles wirkt schemenhaft, nichts scheint klar erkennbar. Ein Eingeständnis an die Eingängigkeit gibt es auf „The Fool“ dann aber doch: Undertow ist wie der Name des Songs ein Sog, der einen mit runterzieht, unter Wasser, in die Schattenwelt von Warpaint.