Album der Woche: Washed Out – Mister Mellow

Die Langeweile der Millennials

03.07.2017

2009 war Washed Out Teil des Chillwave-Hype. Acht Jahre später ist dieser Hype vorbei und auch Washed Out greift für seine immer noch sehr entspannten Tracks nicht mehr auf softe Gitarren und verwaschene Synthies zurück. Stattdessen experimentiert er auf seinem neuen Album "Mister Mellow" mit Samples.

Die Überforderung der Millennials wird von Washed Out augenzwinkernd thematisiert. Foto: Alexandra Gavillet

Washed Out - Mister Mellow

Mister Mellow

Washed Out

(Stones Throw Records, bereits erschienen)

Wer könnte nicht ab und zu eine Auszeit gebrauchen, gerade jetzt im Sommer? Einfach mal runterkommen und darüber nachdenken, was man in den nächsten Monaten so machen will oder generell mit seinem Leben. So geht es auch dem gesampleten Erzähler in dem Stück Time Off vom neuen Washed Out-Album Mister Mellow.

Privilegiert und unzufrieden

Unentschlossenheit und Langeweile, vielleicht auch ein wenig Überforderung und die Weigerung erwachsen zu werden – solche Probleme der sogenannten Millennials sind die Themen des Albums. Washed Out alias Ernest Greene ist 1982 geboren und damit selbst Teil dieser Generation. In seinen Betrachtungen erhebt er nicht mahnend den Zeigefinger. Er hält eher den Spiegel vor: wie kann es sein, dass wir so unzufrieden sind, wo wir doch alle erdenklichen Privilegien genießen?

Beim Songwriting hat sich Washed Out dieses Mal vom Hiphop inspirieren lassen. Er verwendet zahllose Samples von Streichern, Trompeten oder Glockenspiel, aber auch Motorengeräusche und Stimmfetzen aus Youtube-Videos. Dazu ein zurückgelehnter Beat und fertig ist das Disco-Psychedelic-Hiphop-Gemisch. Im Gegensatz zu seinen letzten Alben wollte er auf Mister Mellow Raum für Chaos lassen und hat die Songs deswegen nicht glatt produziert. Es knarzt und kratzt an jeder Ecke, was dem Album einen warmen, heimeligen Sound gibt.

Impressionistische Weltsicht

Washed Out hat nicht nur Wert auf die Sounds, sondern auch auf die visuelle Umsetzung der Musik gelegt. Von elf Künstlerinnen und Künstlern hat er Videos zu allen Stücken anfertigen lassen. Die visuelle Palette reicht von animierten Collagen aus alten Reklameschnipseln, wie zu dem Song Get Lost, über Stop-Motion bis zu gezeichneten Clips. In dieser Vielfalt sei laut Washed Out eine „verzerrte, impressionistische Weltsicht“ zu erkennen.

Ein Album, das die reizüberflutete Realität vieler junger Erwachsener thematisiert und widerspiegelt – das hört sich spannend aber auch ein bisschen sperrig an. Die Musik von Washed Out ist dagegen gar nicht sperrig, im Gegenteil. Mit tropischen Melodien und entspannter Lässigkeit ist Mister Mellow der ideale Soundtrack zu jeder Poolparty.