Album der Woche: Washed Out – Paracosm

05.08.2013

Das neue Album von Washed Out passt wie kein Zweites in diese Jahreszeit. Mit seinem verträumten Chillwave klingt "Paracosm" wie die Vertonung des Sommers, durch einen Instagram-Filter betrachtet.

Washed Out vertont seine Traumwelt. Foto: Shae De Tar

Ernest Greene alias Washed Out ist zurück. Von seinem Zuhause im verschlafenen Georgia aus entführt er die Hörer erneut in eine Welt aus LoFi-Chillwave – einen Parakosmos. Der Titel des Albums bezeichnet eine Traumwelt, die meistens Kinder entwickeln. Paracosm beschreibt in neun Songs eine Art Tagtraum, für den sich Greene von einem Spezialisten in Sachen Träumerien inspirieren ließ:

Am meisten inspirierte mich die große Lewis Carroll Geschichte: Alice im Wunderland. Wie sie in den Hasenbau fiel und auf einmal ist sie in dieser völlig neuen exotischen Welt. Und genau wie Alice von einem Abenteuer zum nächsten kommt, ist auch das Album episodisch. Ich wollte, dass es diesen Flow hat, wo die Songs den Hörer langsam in ein anderes Bewusstsein führen.

Hippiesounds der Neuzeit

Bereits nach wenigen Sekunden verbreitet Paracosm die Wärme und Farbe eines Sommertages. Nach dem Vogelzwitschern im Opener Entrance entführt It All Feels Right den Hörer in eine längst vergangene Zeit. Beim Hören tritt eine Tiefenentspannung und eine sanfte Trance wie auf einem Drogentrip in den 70’ern ein.

Beim Produzieren hatte Greene ein deutlicheres Ziel vor Augen, als noch beim Vorgänger. Damals kamen die Songs eher zufällig zustande. Für Paracosm hatte er immer den Sommer in Gedanken, obwohl er die Songs im Winter schrieb. Für die Aufnahmen zog er sich in sein Haus in Georgia zurück, das er aus gutem Grund nicht gegen einen Wohnsitz in Brooklyn tauschen möchte.

Am meisten inspiriert es mich, wenn ich allein in meinem Keller an meinen Sachen arbeite. Ich kenne einen Haufen Leute, die für neue Ideen und Anregungen unter Menschen sein müssen. Ich hingegen muss von meiner Umwelt abgeriegelt sein, dann bin ich am produktivsten.

Kontrollierte Soundfreiheit

Im Gegensatz zu seinen ersten Platten verzichtete Greene bei Paracosm auf Sampling. Er nahm Naturgeräusche auf und spielte Töne selbst ein, um seine Soundideen zu verwirklichen. Dafür benutzte er über 50 Instrumente, darunter auch seltene Tasteninstrumente wie das Mellotron oder Novachord. Darauf angesprochen, gerät er ins Schwärmen:

Ich habe eine Schwäche für unbekannte Sounds. In der Beziehung bin ich wohl eher Produzent als Songwriter. Während wir die letzten Jahre auf Tour waren, habe ich nach diesen Instrumenten gesucht. Ich wollte sie unbedingt einbeziehen, aber habe nicht geplant, dass es am Ende so viele sein werden. Ein Sound führt eben zum anderen und bevor du dich versiehst, sind die Dinge fast ausser Kontrolle geraten.

Auf dem Album gerät nichts außer Kontrolle, jeder Song ist geplant und nimmt den Hörer bewusst an die Hand. Songs wie Weightless oder Paracosm werden einfach ihrem Namen gerecht. Kein Lied bricht aus der Traumwelt aus, keine Disharmonien stören das Hörerlebnis. Falling Back und All Over Now sind klare Ansagen, dass die Reise leider schon zu Ende ist.

Die eigene Welt verarbeitet

Washed Out hat seinen Auftrag erfüllt: Die Platte macht süchtig. Sie soll nie zu Ende gehen, genau wie der Sommer. Das Album ist zudem höchst persönlich: Ernest Greene lädt den Hörer ein, an seiner Welt teilzunehmen. Denn Paracosm beschreibt nicht irgend einen Parakosmos:

Ich führe ein sehr häusliches Leben. Ich lebe mit meiner Frau auf dem Land in Georgia. Leider haben wir wenig Freizeit zusammen, so dass diese Momente sehr besonders sind. Und daher kommen auch meine Ideen für die Texte: Es geht einfach um das Gefühl von Gemütlichkeit, nach langer Tour endlich wieder zu Hause zu sein. Das ist mein Parakosmos.