Anderthalb Tage jenseits der Zivilisation – Moddi im Interview

24.03.2011

Pal Moddi Knutsen schreibt seine Songs gerne im Dunklen und meistens in absoluter Einsamkeit. Der 23-jährige Newcomer spricht bei detektor.fm von seiner Berufung zum Songschreiber und warum es manchmal nützlich sein kann, einen direkten Draht zu A-Ha zu haben.

Schreibt am liebsten in der Dunkelheit, Fotos dürfen aber auch in der Sonne geschossen werden. (Foto: Hilde Mesics)

Moddi - Floriography

Floriography

Moddi

(Propeller/Soulfood, bereits erschienen)

Gemeinhin wird die Stadt Trondheim als Nordgrenze der Zivilisation in Europa angesehen. Für alle, die diese Grenze überschreiten möchten, gibt es in Norwegen nur eine Straße, die die Zivilisation in Richtung Norden verlässt: der Motorvei [modorwääi] E6. Folgt man dieser Straße etwa anderthalb Tage lang und biegt kurz hinter dem Polarkreis nach links ab, erreicht man die Insel Senja, die Heimat von Moddi.

Pal Moddi Knutsen ist auf Senja aufgewachsen und hat vor kurzem sein erstes Album Floriography auch in Deutschland veröffentlicht. Das Album klingt in jeder Note nach dieser unwirtlichen Gegend jenseits des nördlichen Polarkreises, die die Fantasie der Mitteleuropäer anregt wie kaum eine zweite. In diesen Landstrichen, in denen die Nächte Monate dauern können und nur vom Polarlicht erhellt werden, entsteht außergewöhnlich schöne Musik scheinbar wie von selbst. Zumeist verbindet man diese Tatsache mit Künstlern aus Island. Moddi zeigt jedoch, dass die Bewohner der Vulkaninsel dieses Talent keineswegs gepachtet haben.


Die Einsamkeit auf Senja hat er mittlerweile hinter sich gelassen. Heute ist er in Oslo und vor allem auf den Bühnen der Welt zuhause. Trotzdem haben sich einige Dinge nicht geändert. So braucht Moddi zum Beispiel nach wie vor Ruhe und Einsamkeit um schöpferisch tätig zu werden.

Ich kann nicht überall an Songs arbeiten. Ich brauche dafür Ruhe und Zeit und ich muss mich konzentrieren können. Ich brauche die Gewissheit, dass nichts dringendes auf mich wartet, denn ich kann mich sehr schlecht konzentrieren. Deshalb ist es wirklich schwer, Lücken in meinem Terminkalender zu finden, in denen ich etwas schreiben kann, dass mir gefällt.

Auf einer Welle des Erfolgs überquert Moddi dieser Tage die Nordsee und gewinnt mehr und mehr Fans, auch in Deutschland. Im November hat er das australische Songwriter-Duo Angus und Julia Stone durch ausverkaufte Hallen in Deutschland und der Schweiz begleitet. Seine erste eigene Tour hat er gerade erst abgeschlossen. Für Moddi sind viele Wünsche in Erfüllung gegangen, trotzdem findet sich in seinem Blog das Zitat: „Seid vorsichtig mit euren Wünschen, sie könnten am Ende in Erfüllung gehen.“. Ein scheinbarer Widerspruch, den er aber aufzulösen weiß.

Ich fühle mich, als wären all meine Wünsche in Erfüllung gegangen, nach der Veröffentlichung des Albums. Ich habe mehrere Jahre durchgängig daran gearbeitet, um es so gut zu machen wie möglich. Jetzt sieht es so aus, als würde es sich auszahlen. Es ist ein bisschen komisch, denn seitdem ist alles so einfach. Wenn ich irgendwohin gehen möchte, dann kann ich das auch. Wenn ich etwas veröffentlich möchte, dann darf ich das auch. Im letzten Jahr sind so viele Träume für mich in Erfüllung gegangen, dass mir ganz schwindelig wird, wenn ich nur darüber nachdenke. Zum Beispiel an die Touren in Norwegen und in England mit Angus and Julia Stone, wo ich das tun konnte was mir wirklich im Herzen liegt.


Moddis Talent begeistert nicht nur sein Publikum. Auch die norwegischen Synthiepop Superstars A-Ha sind von seiner Hingabe und seinem Können überzeugt. Im letzten Jahr haben sie ihn zu einem der vier Gewinner ihres hochdotierten Künstlerstipendiums gekürt. Etwa 125.000 Euro hat Moddi dabei gewonnen, aber nicht nur das, die Handynummern aller A-Ha Mitglieder gab es noch obendrauf.

Das gute an dem Stipendium von A-Ha ist, dass es nicht nur Geld beinhaltet. Sie geben einem auch viele Tipps und Hinweise. Ich stehe mit ihnen in Kontakt und kann sie jederzeit um Rat bitten.Das Stipendium ist viel mehr als nur ein Sack voll Geld. Es bedeutet auch eine Menge Unterstützung von Leuten die etwas davon verstehen. Im Ausland auf Tour zu sein ist nichts, dass dir ein großes Einkommen garantiert, jedenfalls wenn du ein komplett unbekannter Typ bist, der manchmal vor nur fünf Leuten spielt. Es ist also schon ein Segen von A-Ha, dass sie mir die Möglichkeit geben, zu touren ohne bankrott zu gehen. Obwohl ich es trotzdem gemacht hätte, vor dem Stipendium ging es ja auch nicht anders.

Moddi hat viele Jahre an seinem Debütalbum Floriography gearbeitet, und trägt es nun hinaus in die Köpfe seiner Zuhörer. In Moddi wohnt die Berufung Lieder zu schreiben und sein Leben ganz der Musik zu widmen, solange ihm jemand dabei zuhört.

Ich würde keine einzige Zeile schreiben, wenn sie sich nicht in anderen Köpfen festsetzen würden. Ich würde keine Konzerte geben, wenn ich danach nicht mit den Leuten aus dem Publikum reden könnte um ihre Reaktionen und Gedanken zu erfahren. Wenn niemand zuhören würde, würde ich auch nichts schreiben, dann würde ich irgendetwas ganz anderes machen. Es fühlt sich wie ein großes Privileg an, mit Leuten auf diese Weise kommunizieren zu können Das ist einfach das wofür ich lebe.