Crocodiles: Pop mit Krallen

08.06.2012

Crocodiles aus San Diego machen handfesten, psychedelischen Lo-Fi-Rock. Alles schon mal dagewesen, richtig. Sie sind dennoch eine erfrischende Abwechslung in der täglichen Flut neuer, aufkeimender Post Dubstep, Math-Rock und Chillwave-Superstars. „Endless Flowers“ heißt ihr neues Album.

Crocodiles - Endless Flowers

Endless Flowers

Crocodiles

(Souterrain Transmissions, bereits erschienen)

The Jesus And Mary Chain ist die Band, die dem interessierten Musikhörer zuerst in den Sinn kommt wenn er sich Crocodiles anhört. The Jesus And Mary Chain, eine Band die 1985 mit dem Album Psychocandy die Musiklandschaft geprägt und verändert hat, die Pioniere des Shoegaze und Könige des Postpunk. Ein ehrenvoller Vergleich also, möchte man meinen, doch Charles Rowell von Crocodiles stellt klar:

Wer darauf fixiert ist, ist entweder unbeholfen, faul oder hat nicht genug Musik gehört. Als Gitarrist würde ich viel eher den großartigen Glenn Branca raushören. Ich würde so viele andere Noise-Typen erkennen, bevor ich auf The Jesus and Mary Chain kommen würde. Okay, die hatten Freude an Krach, aber das gab’s vorher schon. Ach komm, die verdammten Shaggs haben das schon gemacht. Ich habe die Shaggs vor The Jesus And Mary Chain gehört. Aber beide haben mich nicht beeinflusst.

Doch damit nicht genug, Crocodiles treten nochmal nach, auf ihrem Song Bubblegum Trash. Genau so nannte nämlich ein Kritiker die Musik von Crocodiles.

In einer Plattenkritik hat jemand geschrieben: „Ist das echte psychedelische Musik oder einfach nur ‚Bubblegum Trash’?“ Das fanden wir unglaublich komisch. Als ob es darauf ankäme, „echte psychedelische Musik“ zu spielen. Der Kern des Song ist das, was Eminem schon gesagt hat: „We are whatever you say we are.“ Ihr erfindet das Image von uns, dass ihr erfinden wollt, weil ihr die Macht dazu habt.

Crocodiles sind viel einfacher gestrickt als man vermuten mag, ihnen sind die grundlegenden Dinge wichtig und so wird auf dem neuen Album Endless Flowers der Pop-Gedanke einfach weitergesponnen:

An erster Stelle interessieren uns die Melodien und eine gute Pop-Struktur. Es gibt nichts besseres wie einen guten Popsong. Aber wir stehen auch total auf Krach, Strukturen und Dinge, die in der Popmusik nicht ständig verwendet werden. Am Ende ist es eine Pop-Platte, eine mit Krallen.

Endless Flowers ist neben einem Schwulen-Club in Berlin entstanden. Berlin – The Place-To-Be, nicht mehr nur für Techno-Produzenten. Die Gründe dafür sind einfach:

Finanziell gesehen hat das Sinn gemacht. Unser Label ist hier, wir haben Freunde hier und es ist eine Stadt, in der man billig leben kann. Die musikalische Geschichte der Stadt hat uns aber auch angezogen. Eine Menge unserer Lieblingsplatten wurde hier aufgenommen. Und als Musikfans romantisieren wir natürlich auch viel, wie es jeder andere auch machen würde. Ich denke, wir wollten eben unser Stück vom Berlin-Kuchen.

Hinter Crocodiles steckt nicht nur coole Attitüde und neuaufgewärmte Heldenverehrung. Die Band aus San Diego preist die alte Schule ohne ihre eigene Identität zu verleugnen. Und das macht Endless Flowers zu einem Album, das uns nicht nur diesen Sommer begleiten wird.