Daphni – Platten verkaufen ohne Werbung

11.10.2012

Die Vermarktung der eigenen Musik und die Frage nach der Außenwahrnehmung – das sind Themen, denen sich kein Musiker entziehen kann und die gut überlegt sein wollen. Der kanadische Künstler Daphni geht seinen ganz eigenen Weg - vielleicht auch weil er kann. Denn mit seinem Projekt Caribou ist er bereits sehr erfolgreich.

Dan Snaith alias Caribou alias Manitob alias Daphni (Foto: City Slang)


In den 60er und 70er Jahren war Buddy Miles Schlagzeuger in vielen Bands. Er trommelte z.B. für Jimi Hendrix, Santana und Muddy Waters. Nebenbei schrieb er aber auch eigene Stücke und nahm sogar Alben auf. Doch Miles startete nie richtig durch und das obwohl er respektable Werke ablieferte und die Kritiker ihn damals in den Himmel lobten. Heute sind es meist nur noch die Musiknerds, die Buddy Miles auf dem Schirm haben und verehren.

Einer von diesen Nerds ist der Kanadier Dan Snaith. Der hat sich das eben gehörte Stück The Segment von Buddy Miles zur Brust genommen und neuinterpretiert. Dan Snaith ist aber nicht nur Musiknerd, er ist ein Nerd im Allgemeinen. Snaith ist u.a. Doktor der Mathematik, Bandleader, Labelbetreiber und DJ. Er steckt hinter den Projekten Manitoba, Caribou und Daphni. Und mit Daphni veröffentlicht er jetzt sein erstes Album und holt damit auch Buddy Miles wieder zurück in den Fokus der Musikliebhaber.

Mit Caribou und dem Album Swim feierte Dan Snaith vor zwei Jahren einen Riesenerfolg. Songs wie Odessa und Sun wurden zu Hits in der Indie-Disko, genauso wie im House-Club. Caribou könnte man folglich als Indie-House bezeichnen. Unter dem Namen Daphni treibt der Künslter seinen bisher bekannten Sound noch weiter ins Experimentelle und an den Rand der Tanzfläche. Auf Jiaolong, so der Titel, geht er raus aus der Disko und rein in den Club. Weg von der Peaktime, hin zur Afterhour.

Auch marketingstrategisch geht Daphni neue Wege: Für Jiaolong gibt es weder Promotion noch eine Webseite. Der Künstler setzt allein auf Mund- bzw. Blogpropaganda. Das Produkt – die Musik – lässt er für sich sprechen, entweder es gefällt oder eben nicht. Da wo andere Künstler um Aufmerksamkeit buhlen, jede Kritik und jedes Feature ein Plus an Verkaufszahlen und neue Konzerte bedeutet, setzt Daphni ein klares Statement gegen die Verramschung. Damit ist er nicht allein, auch Künstler wie Kindness oder King Krule haben es gerade ohne viel Promo auf die großen Bühnen geschafft.

Und mal ehrlich, halten wir einem Künstler nicht viel eher die Treue, wenn wir ihn selber entdecken? Wenn uns sein Albumcover im Plattenladen in die Hände fällt, statt dass wir ihn auf dem Intro-Cover aufgedrängt bekommen? Dass wir beim Stöbern in Blogs oder auf Youtube über ihn stolpern, statt dass er von einer Redaktion als besonders wertvoll bewertet wird? Musiker werden sich auch zukünftig Gedanken um ihre Vermarktung machen müssen. Trotzdem oder gerade deswegen ist Daphnis Strategie ein gelungener Gegenentwurf.