Das tun, was man liebt: Spring Offensive im Interview

26.10.2012

Die BBC und der NME lobt die Band Spring Offensive bereits in den höchsten Tönen. Das ist an sich nichts Außergewöhnliches im britischen Musikbusiness. Dass die Vorschusslorbeeren nicht so unbegründet sind, haben Spring Offensive bereits durch starke Live-Auftritte und überzeugende Singles nachgewiesen. Wir haben die fünf Jungs aus Oxford während ihrer Deutschland-Tour getroffen.

Ein Leben für die Musik - Spring Offensive (Foto: Alexa Gibben)

Spring Offensive - Not Drowning But Waving

Not Drowning But Waving

Spring Offensive

(Spring Offensive, bereits erschienen)

Auf den ersten Eindruck kommen Spring Offensive alles andere als schüchtern daher. Das Quintett aus Oxford punktet mit der typisch britischen Höflichkeit. Die Mitglieder der Band kennen sich größtenteils aus der Schulzeit. Nach ihren Uni-Abschlüssen und ein paar recht öden Jobs haben sie ihre große Leidenschaft – die Musik – zum Beruf gemacht und die Band Spring Offensive gegründet. Der Bandname basiert auf einem gleichnamigen Gedicht von Wilfried Owens, das sich mit einer deutschen Offensive während des 1. Weltkriegs beschäftigt. In der düsteren und ergreifenden Art des Gedichts, sieht Lucas Whitworth die Parallelen zu seiner Band.

Das ganze Gedicht ist voller ausdrucksstarker Bilder. Das ist die Verbindung zu uns. Genau wie in dem Gedicht wollen wir unsere Botschaften auf eine ergreifende und düstere Art und Weise vermitteln.

Neben ihren Alltagserfahrungen inspirieren Poesie und Dichtkunst die fünf Briten bei ihrem Songwriting. Musikalisch geht es bei Spring Offensive mit mehrstimmigem Gesang und verspielten Gitarren zur Sache. Tanzbare Stücke wechseln sich mit Gänsehautmomenten ab. Das klingt vertraut. An Abwechslung und der wichtigen Prise Einzigartigkeit mangelt es den Briten jedoch nicht. Das Quintett hat eine Vorliebe für Vinyl und handgemachtes Merchandise. Liebevoll gestalten sie die Plattencover selbst und packen ein paar selbstgeschossene Fotos ins Booklet. Das ist schon etwas Besonderes, meint Gitarrist Matt Cooper.

Es ist schön, etwas Handgemachtes und Einzigartiges in den Händen zu halten. Das haben wir versucht umzusetzen. Es geht darum, von einem Konzert zu kommen und etwas anderes als eine gewöhnliche CD in den Händen zu halten. Ich habe so viele CDs. Wenn ich dann mal umziehe, find ich die zerkratzt und unbrauchbar auf dem Boden einer Kiste wieder. So etwas würde man mit Vinyl nie machen. So etwas hütet man wie seinen Augapfel.

In puncto Live-Auftritte bieten die Briten ihren Fans auch etwas Besonderes. Um dem Altgewohnten zu entfliehen, spielen Spring Offensive an ungewöhnlichen Orten, wie Kirchen oder Museen. Sänger Lucas Whitworth sieht darin einen besonderen Reiz.

Die Leute gehen immer in die gleichen Bars. Auch wenn du dort die schönste Musik der Welt hörst, wird es dort irgendwann alltäglich und verliert den Reiz. Kirchen, Museen und Galerien üben da einen besonderen Reiz aus. Wenn man seinen Fans also die Möglichkeit gibt, ein Konzert an so einem speziellen Ort zu besuchen, ist das eine neue Erfahrung und hinterlässt ganz andere Eindrücke.

Live-Auftritte sind die große Leidenschaft von Spring Offensive. Ständig sind sie unterwegs – auf Tour durch ganz Europa. Natürlich gibt es da immer die ein oder andere Anekdote zu erzählen. Während ihrer ersten Deutschland-Tour wurden die fünf Briten von der Polizei angehalten und nach Drogen durchsucht, erinnert sich Matt Cooper.

Sie haben uns kurz nach einer Tankstelle abgefangen. Und sie waren überzeugt, dass wir Drogen hatten. Der Polizist meinte nur so etwas, wie „Ihr seid also eine Band…also so Sex Drugs Rock n Roll“. Ich hab natürlich gesagt, dass wir keine Drogen haben. Den Wagen haben sie trotzdem auf den Kopf gestellt und uns auch. Aber sie haben nichts gefunden. Am Ende meinte der Polizist noch staubtrocken, dass wir keine echte Rockband wären.

Davon haben sich Spring Offensive jedoch nicht beeindrucken lassen und ihre Tour fortgesetzt. Ihre Deutschlandbesuche schätzt die Band dabei sehr, sagt Lucas Whitworth.

Der deutsche Appetit nach guter Musik ist enorm. Vielleicht sogar größer als der in Großbritannien. Auch wenn es dort mehr Indie-Bands gibt. Die Leute hier schätzen die Musik und Konzerte sehr. Wenn die Leute auf unseren Konzerten aufmerksam zuhören, sich für die Musik interessieren und ihr eine Bedeutung zuordnen, ist es für uns als Band das Beste, was uns passieren kann.

Auch deswegen fühlen sich Spring Offensive in ihrer Rolle als Full-Time Musiker pudelwohl. Die alten, nervenzehrenden Jobs liegen hinter den Jungs und sie widmen sich dem, was sie lieben. Auf ein Album der Band muss man allerdings noch bis nächstes Jahr warten. Durch das viele Touren mangelt es an Zeit und halbe Sachen sind nicht ihr Fall. Umso mehr sollte man Spring Offensive im Ohr behalten. Die Lust auf ein Album haben sie auf jeden Fall geweckt.