detektor.fm-Session mit Hannes Wittmer

Zurück in die Selbstbestimmung

Der Sänger Hannes Wittmer will raus aus der Marktlogik der Musikindustrie. Deshalb verschenkt er sein Album und lässt bei seinen Konzerten das Publikum den Eintrittspreis selbst wählen. Warum er glaubt, dass das funktionieren kann, erklärt er in der detektor.fm-Session.

Will vom Musikverschenken leben. Hannes Wittmer in der detektor.fm-Session. Foto: Kati Zubek | detektor.fm

Aus Spaceman Spiff wird Hannes Wittmer

Sänger und Songschreiber Hannes Wittmer steht seit mehr als zehn Jahren regelmäßig auf der Bühne. Die ersten drei Alben hat er unter dem Künstlernamen Spaceman Spiff veröffentlicht. Und sich unter diesem Namen auch eine Fanbase erspielt. Doch nun steht auf seinem vierten Album „Das große Spektakel“ sein bürgerlicher Name. Zudem kündigt Wittmer mit dem Namenswechsel eine zweite Neuerung an. Und die ist viel radikaler.

Ausstieg aus der Musikindustrie

Hannes Wittmer veröffentlicht das Album bewusst nicht auf den großen Plattformen. „Das große Spektakel“ gibt es nicht auf Spotify, Amazon und iTunes, sondern ausschließlich zum freien Download auf seiner Webseite.  Das widerspricht dem Trend zu immer mehr Streaming. Damit ist die Entscheidung de facto ein Ausstieg aus der Musikindustrie. Denn Spotify, Amazon und Co bestimmen durch ihre Algorithmen und Kuratoren, was in den wichtigen Playlisten landet und damit am meisten gehört wird. Und wer bei den Streaming-Anbietern nicht zu hören ist, existiert quasi nicht mehr.

Das Versprechen, unbekanntere Musiker stünden auf den Musikplattformen gleichberechtigt neben den großen Namen, ist falsch, sagt Wittmer. Zwar sind Indie-Künstler in den Streaming-Apps genau so umfassend verfügbar wie die großen Popstars. Aber letztere profitieren ungleich mehr.

Das Problem, was ich mit den Streaming-Diensten und vor allem mit Spotify habe, ist der Verteilerschlüssel. Wenn du bereit bist, deine 10 Euro im Monat für Musik zu zahlen, und dann hörst du deine Lieblingsband, dann denkst du, dass diese 10 Euro an deine Lieblingsband gehen. Das ist aber nicht so. – Hannes Wittmer in der detektor.fm Session

Stattdessen erhält die Lieblingsband nur wenig Geld, selbst wenn man die Monat für Monat in Dauerschleife hören würde. Deshalb bittet Hannes Wittmer lieber um finanzielle Unterstützung seiner Fans. Auf seiner Webseite hat er seine Kontodaten veröffentlicht und nimmt Zahlungen per Paypal an. Und auch bei seinen Konzerten dürfen die Besucher selbst bestimmen, wie viel Eintritt sie zahlen.

Näher am Publikum

Die Konsequenz: Hannes Wittmer fühlt sich weniger entfremdet von seinem Publikum. Warum das so ist, hat er in der detektor.fm-Session Moderator Christian Erll erzählt. Im Gespräch klären sie auch, wie Tour-Band, Booker und Konzertveranstalter auf die Idee mit den Pay-what-you-want-Konzerten reagiert haben. Außerdem spielt Hannes Wittmer „Rom“ und „Fragen“ live im detektor.fm-Studio.


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