detektor.fm-Session mit Steiner & Madlaina

In der Realität angekommen

06.11.2018

Das Schweizer Folk-Pop-Duo Steiner & Madlaina liebt es, Scheinwelten zu zerstören. Dafür lassen sie in ihren Musikvideos sogar Models an Wackelpudding ersticken. Warum es leichter ist, in Deutschland als in der Schweiz erfolgreich zu sein, und wieso die beiden sich vor zu vielen Möglichkeiten fürchten, erzählen sie in der detektor.fm-Session.

In ihren Folksongs wollen Steiner & Madlaina Scheinwelten kaputt machen. Foto: Nils Lucas

Aus Langeweile wird Musik

Auf einem Züricher Gymnasium beginnt die Geschichte der beiden Freundinnen Nora Steiner und Madlaina Pollina. Ihre ersten musikalischen Gehversuche machen sie – ganz klassisch – mit einer Schulband. Auch wenn die eigentlich eher aus der Not geboren wird.

Die Band ist eigentlich aus Langeweile entstanden. Wir hatten immer zwei Nachmittage in der Woche frei. Unsere Schule hatte aber ein musisches Profil, da mussten wir alle ein Instrument spielen. So ist dann unsere erste gemeinsame Band entstanden. – Nora Steiner

Als die Schulband kurz darauf den Proberaum verliert, üben die beiden Freundinnen fortan zu zweit. Ab dann heißt es: Vorhang auf für Steiner & Madlaina.

steiner madlaina-detektorfmFür unsere Eltern war es kein Problem, dass wir Musik machen wollten. Es waren Leute in unserem Alter, die meinten: "Macht doch mal was Richtiges!"Steiner & Madlainamachen lieber Musik als es allen recht. Foto: detektor.fm 

Aus der Schweiz in die Welt

Als Folk-Duo haben sich Steiner & Madlaina mittlerweile über Zürich hinaus einen Namen erspielt. Das liegt nicht mal daran, dass Madlaina Pollina die Tochter des Liedermachers Pippo Pollina und Schwester der jüngsten Schweizer Sensation Faber ist. Steiner & Madlaina überzeugen mit ihrem zweistimmigen Gesang, den sie mal auf Deutsch, mal auf Englisch und hin und wieder sogar auf Schweizerdeutsch vortragen. Diese Mischung wird zu ihrem Markenzeichen – nicht nur in der Heimat.

In Deutschland ist es fast einfacher als in der Schweiz. Hier sind wir die Speziellen, wir sind die Schweizer. Da heißt es dann „ach, krass“. Die Schweizer wiederum vertrauen nicht auf ihr eigenes Urteil, weil wir so klein sind. In der Schweiz kann man erst zugeben: „Das ist gut!“, wenn jemand von außen sagt: „Das ist gut!“ – Steiner & Madlaina

Scheinwelten Zerstören

Auf ihrem Debütalbum „Cheers“ geben sich Steiner & Madlaina gerne mal kritisch. So wie in der Single „Das schöne Leben“. In dem Video begleitet das Lied ein Modell, das während eines Werbedrehs an einem „Silhouette“-Pudding erstickt.

Bei solchen Drehs müssen Models immer wieder den Take wiederholen, tausendmal essen und so tun als wäre es total lecker. Dabei schmeckt es vielleicht überhaupt nicht. Das Modell muss sich deswegen übergeben und erstickt dann an der Kotze. Dieses Scheinwelten-Kaputt-Machen ist wichtig für uns, weil man immer wieder zurück zur Realität kommen muss. – Madlaina Pollina

Warum Steiner & Madlaina Scheinwelten zerstören wollen und warum sie sich von einem Überfluss an Möglichkeiten nicht verrückt machen wollen, haben sie detektor.fm-Moderator Philipp Weimar erzählt.