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Der Beste der Besten: Kendrick Lamar.
Foto: Christian San Jose

Die wirklich besten Alben der 2010er

Die Liste aller Listen

Dezember ist die Zeit der Listen: Wunschliste für den Weihnachtsmann, gute Vorsätze fürs nächste Jahr und die besten Alben des Jahres. 2019 sogar die besten Alben einer Dekade. Wir haben uns alle Best-Of-Listen angeschaut, derer wir habhaft werden konnten und haben daraus die ultimative Top 100 ermittelt.

Ist das Album tot? Werden zukünftig Best-Of-Playlist-Auswertungen die Alben-Top-Ten ersetzen? Noch ist es jedenfalls nicht so weit. Aber die Musikindustrie hat sich drastisch verändert in den letzten zehn Jahren: mehr Streams, weniger Physisches, Likes bei Instagram können zu einem Vertrag verhelfen. Generell haben die Möglichkeiten der Selbstdarstellung und Selbstvermarktung ungeahnte Ausmaße angenommen. Eine Band, die keinen Social-Media-Account besitzt oder zumindest einen betreiben lässt? 2010 noch normal, 2019 undenkbar.

Hip-Hop to rule them all

Musikalisch hat sich auch viel gewandelt. Nachdem die Gitarrenbands der 2000er an Bedeutung verloren, war die spannende Frage: Was ist das nächste große Ding? Wer die letzten zehn Jahre nicht unter einem Stein gelebt hat, kann diese Frage leicht beantworten: Rap, Hip-Hop und R&B haben das Musikgeschehen dominiert. Das können wir sogar statistisch belegen, denn von Pitchfork bis Zündfunk, vom Rolling Stone bis NME – wir haben uns die Bestenlisten der Magazine angeschaut und sie ausgewertet. Und zwar so: Platz 100 bekommt einen Punkt, Platz 99 zwei Punkte und so weiter bis Platz 1, der 100 Punkte bekommt.

Das Ergebnis dieser Auswertung unterstreicht den allgemeinen Eindruck überdeutlich: Die Top Ten sind fest in der Hand von Rap- und R&B-KünstlerInnen. Auf Frank Ocean, Kanye West und Beyoncé können sich alle einigen. So ganz weg vom Fenster ist die Gitarre aber auch nicht: Carrie & Lowell von Sufjan Stevens oder The Suburbs von Arcade Fire haben es immerhin in die Top 20 geschafft.

King Kendrick

Unter den Leuten, die die Musikwelt in den letzten zehn Jahren besonders heftig durchgeschüttelt haben, sticht ein Name heraus: Kendrick Lamar. Der Kalifornier ist mit drei seiner vier Studioalben in fast allen Listen vertreten und hat – da sind sich die MusikjournalistInnen einig – mit To Pimp A Butterfly DAS Album des Jahrzehnts abgeliefert. Lamar rappt über Rassismus, soziale Ungerechtigkeit und Polizeigewalt. Er nutzt seine Popularität und bringt diese Themen einem Mainstreampublikum nahe. Damit steht er in der Tradition vieler großartiger KünstlerInnen der 60er und 70er Jahre und dass er damit so einen Riesenerfolg hat, ist sicherlich eine gute Nachricht.