Ein neuer Eintrag im Familienalbum – Efterklang über ihren Film “An Island”

15.03.2011

Dass Musiker über ihre Musikvideos hinaus gern mal vor oder hinter der Kamera stehen, ist nicht neu. Auch die dänische Band Efterklang hat sich gerade in einem Film verewigt. Für "An Island" sind sie vier Tage lang auf ihre Heimatinsel gefahren und haben sich durch Kindheitserinnerungen gewühlt.

Efterklang haben in ihrer ehemaligen Grundschule mit Kindern und ihren alten Lehrern gesungen. © Antje Taiga Jandrig

Als ist eine dänische Halbinsel in der Ostsee. Es regnet oft und außer einer kleinen Stadt und ein paar verlassenen Bauernhöfen gibt es dort nicht viel. Es ist die Heimatinsel der dänischen Band Efterklang. Hier sind die fünf Musiker aufgewachsen, haben sich kennen gelernt und die Band gegründet. Zwar wohnen sie mittlerweile in Kopenhagen, haben aber immer noch eine starke Bindung an die Insel.

Vor drei Jahren lernte die Band den französischen Filmemacher Vincent Moon kennen. Moon ist Erfinder und Macher der Take-Away-Shows: Er filmt Künstler bei spontanen Akustik-Sessions an ungewöhnlichen Orten und veröffentlicht die Videos auf dem Musikblog La blogothèque. 2008 nahm er mit Efterklang ein solches Video auf. Letztes Jahr entstand dann die Idee, eine Dokumentation über die Band zu machen: Vier Tage sollten sie nach Als fahren, Freunde und Familie treffen und die Insel neu entdecken. Für Efterklang-Frontmann Caspar Clausen eine ganz spannende Erfahrung:

Es war eine komische Mischung zwischen Entspannung und Stress. Wir waren eine große Gruppe von 16 bis 20 Leuten. Wir haben alle in einer Hütte zusammen gewohnt, von der aus wir jeden Tag zu den Drehorten gefahren sind. Eigentlich war es wie ein kurzer, sehr lustiger Urlaub. Wir hatten unsere Freundinnen und Freunde mit und haben denen die Insel gezeigt.

Entstanden ist daraus der Film An Island, der im Februar Premiere hatte. Er begleitet die Band auf ihrem Weg durch die alte Heimat. In ihrer ehemaligen Grundschule treffen sie Lehrer wieder und spielen in der Turnhalle mit einer Horde hellblonder Kinder einen ihrer Songs. Zeitungsrascheln und trampelnde Füße ersetzen die Klänge, die sonst aus dem Soundcomputer kommen. Insgesamt treffen Efterklang in dem Film auf über 200 Einheimische. Teilweise sind es die Familien und Freunde, teilweise einfach Bewohner der Insel.

In einer Szene fährt der Bus mit der Band auf einen leer stehenden Stall zu, mitten in der Dunkelheit auf freiem Feld. Eine Stimme aus dem Off erzählt, dass sich die Musiker als Teenager dort früher heimlich zum Rauchen getroffen haben. Jetzt stehen sie in dem erleuchteten Stall, umringt von ihren Familien und Freunden. Leise beginnen die ersten Klänge des Songs Alike, akustisch und mit improvisierten Instrumenten. Platzende Luftballons und Besen geben den Rhythmus vor. Nahaufnahmen dokumentieren die entspannten Gesichter, denen der Spaß anzusehen ist. Es ist einer der intimsten Momente im ganzen Film.

Das Interessantestes waren die Begegnungen mit unseren Eltern, der Familie und den alten Lehrern. Nach vielen Jahren haben wir sie wieder getroffen und mit ihnen zusammen unsere Songs aufgenommen. Es ist wie ein neues Kapitel im Familienalbum. Für sie ist es jetzt einfacher zu verstehen, was wir machen, als wenn sie es nur in einer Zeitung lesen.

An island ist vor allem auch ein Klangexperiment. In einer der ersten Szenen wandert die Band mit Aufnahmegeräten über einen entlegenen Bauernhof und sammeln Geräusche aus allem was sie finden: Wassertropfen, Federn, Holzklötze, Steine und Matsch.

Das war total aufregend. Ich habe auch immer ein Aufnahmegerät mit, um die Geräusche im Alltag mitzuschneiden. Für viele von uns war dieses Szene besonders wichtig. Es war wie ein großes Spiel, bei dem wir die Klänge dieses Hofes entdeckt haben. Und da gibt es eine Menge zu entdecken.

Regisseur Vincent Moon hatte von Anfang an eine ganz eigene Vorstellung, wie der Film aussehen sollte. Die Band war bloß Darsteller. Die Planung und Vor- und Nachbereitung blieb aber bei Moon. Ungewohnt für Sänger Caspar Clausen, die Verantwortung komplett abzugeben:

Uns selbst auf einer Leinwand zu sehen, ist nichts, was wir besonders toll finden. Deswegen waren wir ziemlich unsicher, ob das nicht komisch werden würde. Aber es war wunderbar zu sehen, dass Vincent absolut die richtigen Szenen festgehalten hat. Die Musik steht im Vordergrund, aber da sind noch so viele andere Dinge daneben, die wichtig sind. Das war schön zu sehen. Wir hatten noch nie ein Filmprojekt vorher, bei dem es uns so viel Spaß gemacht hat, zu zusehen.

An Island ist mehr als eine Banddokumentation. Es ist eine Liebeserklärung an die Insel und die Heimat, an Freunde und Familie. In 50 Minuten erklingt nur vier Mal eine Stimme aus dem Off. Ansonsten sind es die Geräusche, die Musik und die tollen Bilder, die für sich sprechen. Es ist ein sehr ruhiger Film, der ganz liebevoll und mit wenig Worten viel erzählt.