Entdeckt auf der Popkomm 2011, Teil 1: Dry The River

20.09.2011

Voriges Jahr musste die Musikmesse Popkomm mangels Nachfrage ausfallen. Dieses Jahr jedoch wurden den Besuchern wieder viele Konzerte und einige vielversprechende Newcomer geboten. Wir haben uns umgehört und stellen in dieser Woche unsere Neuentdeckungen vor. Los geht’s heute mit Dry The River aus London.

Dry The River haben früher Hardcore- und Rockmusik gemacht, jetzt regieren die leisen Töne.

Wer hätte das gedacht: Da streiten sich tatsächlich die großen Majorlabels um einen Plattenvertrag mit einer Folk-Rock Band. Das musikalische Phänomen, um das es hierbei geht, heißt Dry The River und ist in England schon längst kein Geheimtipp mehr. Die meisten der fünf Mitglieder kommen paradoxerweise aus Punk- oder Hardcorebands. Seit 2009 allerdings schlagen sie unter dem Songwriting von Frontmann Peter Liddle merklich leisere Töne an.

Der Sinneswandel Peter Liddles entsprang während den einsamen Stunden seines Medizinstudiums. In dieser Zeit schrieb der gelernte Post-Punker in seinem Studentenzimmer berührende Folksongs auf der Akustik-Gitarre. Auf der Suche nach Mitstreitern griff er kurzerhand auf Freunde aus der alten Szene zurück. Die erste EP The Chambers & Valves war der Grundstein des jetzigen Rummels um die Band. Mittlerweile wohnen die fünf zusammen im Londoner East End und feilen gemeinsam an ihren Songs. Nicht ohne Folgen, wie Gitarrist Matthew Taylor verrät:

Am Anfang war das reiner Folk-Sound: vollkommen reduziert und fast ausschließlich akustisch. Aber wir kommen ja alle von Rockbands und Hardcorebands und so wurden die Stücke wieder ein bisschen mächtiger und der Sound epischer.

Die Rockattitüde merkt man nicht nur ihren Stücken an, die meist nur mit Gesang und Akustikgitarre beginnen, aber um die Minutenmarke alle Zurückhaltung ablegen. Vor allem live kann man die Rockwurzeln der Bandmitglieder am Bewegungsdrang und der Präsenz auf der Bühne ablesen. Spätestens an dieser Stelle wird klar, warum die Plattenfirma Sony sich so sehr um die Band bemüht hat: Die Musik ist absolut stadiontauglich. Und größere Bühnen werden sie auch bald brauchen. Denn die Fanbase wächst unaufhörlich. Nicht zuletzt weil Dry The River die Zeichen der Zeit erkannt haben und sich persönlich im Web 2.0 um ihre Anhängerschaft kümmern. Zum Beispiel feiern sie ihren zehntausendsten Facebook-Fan mit einem kleinen Geheimgig in London.

Es ist das wichtigste überhaupt. Wir haben Spaß an Twitter, Facebook und Youtube. Wir versuchen es soviel wie möglich zu nutzen. Es gibt uns die Chance, direkt mit unseren Fans in Kontakt zu treten und zu kommunizieren. Es ist super, die Meinung der Leute über Facebook rauszukriegen. Wenn sie schreiben: „Das war toll!“ oder so. Es ist einfach immer schön, die guten Kommentare zu lesen, aber es ist auch gut die Kritik zu hören und sich dessen bewusst zu sein.

Auch wenn sie gerne Feedback bekommen, lassen sich Dry The River nicht in ihre musikalische Arbeit reinreden. Und so müssen die ungeduldigen Fans wahrscheinlich noch bis Anfang nächsten Jahres auf das erste Album warten. Zwei Singles sind aber bereits erschienen und im November soll eine Vorab-EP die Wartezeit auf den Longplayer zusätzlich verkürzen. Wem das nicht reicht, der kann sich die neuen Songs schon mal live anhören. Ab Ende November sind Dry The River dann auf Tour durch Deutschland.