Entdeckt auf der Popkomm 2011, Teil 3: French Films

22.09.2011

Im dritten Teil unserer Popkomm-Serie reisen wir heute weiter nach Finnland, Heimat der Band French Films. Die machen jedoch keinen düsteren Metal, sondern eine Mischung aus Surf Rock und New Wave.

Die Band French Films schafft den Spagat zwischen Beach Boys und Joy Division.

Finnland ist nicht nur das Land der tausend Seen, sondern auch der Metal Bands und der Luftgitarren-WM. Das musikalische Herz der Finnen schlägt ein bisschen härter als hierzulande. Allzu schnell sollte man aber die Musik aus dem Fünf-Millionen-Einwohner-Land nicht in eine Schublade stecken. Es erntete schon ein bisschen Verwunderung in der Indie-Szene, als letztes Jahr die Band French Films auftauchte. Im gleichen Jahr gegründet, blutjung und eben nicht aus Frankreich sondern aus Finnland. Ihre erste EP Golden Sea brachte den Senkrechtstartern sofort jede Menge Aufmerksamkeit ein. Mit nur ein paar Songs im Gepäck tourten die fünf Jungs bereits durch ganze 11 Länder.

Ihre Einflüsse verstecken French Films in ihren Songs ganz und gar nicht. Vielmehr stellen sie ihre Vorliebe für 60s Surf Rock und 80s Synthie Pop geradezu heraus. Wie der Spagat zwischen Beach Boys und Joy Division aufgeht, erklärt Sänger und Gitarrist Johannes Leppänen:

Ich liebe es! Es ist offensichtlich, dass wir beide Bands mögen. Ich glaube nicht, dass die Verbindung paradox ist. Es ist eine sehr gute Kombination, düsteren Wave und sonnige Sounds zu mixen. Das funktioniert wirklich gut.

Tatsächlich fühlen sich die sonnigen Melodien der Surf-Gitarre wohl unter der Dark Wave-Stimme. Von unten stützen die Bassläufe, die von The Cure sein könnten und als regelmäßiger Taktgeber dient die 80er Snare-Drum mit viel Hall.

Hatte es auf der EP noch kein Song über die Drei-Minuten-Marke geschafft, lassen sich French Films auf dem Album etwas mehr Zeit für ihre Musik. Imaginary Future heißt das gute Stück und wird ab Mitte November im Ladenregal stehen. Die dazugehörige Tour bringt sie morgen schon nach Hamburg und Mitte Dezember noch mal zurück nach Deutschland. Dass sie live bestehen können, haben sie mit einem fulminanten Auftritt bei der Popkomm bereits bewiesen. Wohlgemerkt um 3 Uhr nachmittags haben sie die Messeteilnehmer regelrecht umgefegt. Trotz der Referenzen an frühere Zeiten, kommt ihre Musik alles andere als altbacken daher. Das entspricht auch ihrem Selbstbild als Musiker heutiger Tage.

Ich mag die Bands aus den 60ern nicht unbedingt lieber. Ich finde, sie haben einen coolen Sound und gute Songs, aber ich glaube, unheimlich viel gute Musik wird gerade jetzt gemacht. Ich finde, die Leute machen heute bessere Popsongs als früher. Jemand würde mich wahrscheinlich dafür umbringen, dass ich das gesagt habe.

French Films – Golden Sea EP