ESC 2017: Politischer Streit, Vielfalt und die Show

"So politisch war der ESC eigentlich immer"

12.05.2017

Es ist wieder soweit: Am Samstag geht der Eurovision Song Contest ins Finale. Aber das Medienereignis ist längst nicht mehr nur ein rein musikalischer Wettbewerb. Die politischen Töne zwischen der Ukraine und Russland werden immer schärfer. Ein Blick hinter die große Bühne:

Zum 62. Mal wird der ESC nun schon ausgetragen. Im vergangenen Jahr haben weltweit über 200 Millionen Menschen zugeschaut. Der größte Musikwettbewerb der Welt soll die Nationen eigentlich verbinden. „Kein Lied, kein Auftritt darf den ESC oder die EBU in Misskredit bringen“, heißt es.

Laute politische Zwischentöne

Austragungsort ist in diesem Jahr die osteuropäische Metropole Kiew. Und damit eine Stadt, die als Symbol für die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der Ukraine und Russland steht. Auf dem Gelände, auf dem noch vor zwei Jahren Demonstrationen stattgefunden haben, sind heute Fanzonen für die Besucher eingerichtet.

Bereits im letzten Jahr hat sich die neue politische Dimension des ESC angekündigt. Die ukrainische Sängerin Jamala hat mit ihrem Lied über vertriebene Krimtataren gewonnen. Die russische Regierung sprach von einer Schande für Europa.

Kein Russland in Kiew

In diesem Jahr wird der Wettstreit ohne Russland stattfinden. Die ukrainische Regierung hat ein Einreiseverbot gegen die Künstlerin Julia Samoilowa verhängt. Sie hatte 2015 auf der Krim ein Konzert gegeben. Die Ukraine sieht darin eine Verletzung ihrer Souveränität. Aus gleichem Grund wurde auch russischen Journalisten die Anreise zum ESC untersagt. Außerdem wird der Musikwettbewerb im Gegenzug auch nicht im russischen Staatsfernsehen übertragen.

ESC – Vielfalt feiern

Trotz der politisch angespannten Situation wartet der ESC natürlich auch in diesem Jahr mit musikalischen Höhepunkten auf. Deutschland schickt Isabella Levina Lueen ins Rennen. Ihre Chancen werden aber gering eingeschätzt.

 Sie ist eine ganz tolle Sängerin. Der Song hat aber ein bisschen das Problem, dass er sehr schnell da rein und da raus geht. – Dominik Rzepka, ZDF-Reporter beim Eurovision Song Contest

Größere Hoffnungen auf eine gute Platzierung können sich laut Rzepka vor allem Bulgarien, Italien und Portugal machen.

Portugal ist eine Jazz-Nummer, die ist so bemerkenswert und herausstechend, dass ich sagen würde, Portugal hat auf jeden Fall eine Chance. – Dominik Rzepka

In diesem Jahr geht es beim ESC wohl um die Frage, ob der Wettbewerb seinem Motto „Vielfalt feiern“ gerecht werden kann. Und natürlich, welcher Song das internationale Publikum am meisten begeistern wird. Über den Eurovision Song Contest hat detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt mit ESC-Experte Dominik Rzepka gesprochen.

Dominik Rzepka - Quelle Koch - ZDFDas ist schon so, dass die Musik ein Stück weit in den Hintergrund rutscht oder dass man sagen muss: Die Politik steht sehr im Vordergrund in diesem Jahr. Dominik Rzepkaist zudem auch von der diesjährigen Organisation des ESC enttäuscht.  

Redaktion: Charlotte Glück und Charlotte Mujis