Golden Kanine: Melodien voller Melancholie und Optimismus

25.10.2012

Dass skandinavische Bands die Messlatte für gute Musik hoch legen, ist ja allgemein bekannt. Bei den Schweden von Golden Kanine ist das definitiv auch der Fall. Mit seinem melodiösen Indie-Folk tourt das Quintett gerade durch Deutschland. Wir haben Golden Kanine getroffen.

Fühlen sich in der Folk-Schublade wohl - Golden Kanine aus Schweden (Foto: Hampus Lindvall)

Golden Kanine - Oh Woe!

Oh Woe!

Golden Kanine

(Glitterhouse, bereits erschienen)

Die Geschichte von Golden Kanine begann vor ungefähr zehn Jahren. Damals haben Linus Lindvall und Andreas Olrog ihre erste gemeinsame Band gegründet. Die nannte sich Ashtray Hearts und orientierte sich noch an schnörkellosem Indie-Rock. Zufrieden waren die Schweden damit allerdings nicht. Sie wollten anders klingen, sagt Linus Lindvall.

Wir haben bereits in mehreren Bands gespielt, wo es uns nicht gelungen ist, die Musik so klingen zu lassen, wie wir uns das vorstellen. Also haben wir mit verschiedenen Bandkonstellationen und Klängen herumprobiert. Wir lieben unsere Melodien zu sehr und wollten sie nicht in dem ganzen Rauschen und den verzerrten E-Gitarren untergehen lassen. Da haben wir beschlossen, mehr Musiker und natürlich auch mehr Instrumente einzubeziehen.

Neben der klassischen Bandbesetzung mit Gitarren, Schlagzeug und Bass, greifen Golden Kanine auf Posaune, Trompete, Mandoline und ein Banjo zurück. Das Ergebnis ist melodieverliebter Folk, in dem Trübsal und Optimismus aufeinanderprallen.

Wir versuchen die bestmögliche Mischung aus Traurigkeit und Optimismus zu kreiren.

Die Texte von Golden Kanine bewegen sich auf einem schmalen Grat zwischen persönlicher Erfahrungen und Fiktion. Musikalisch erinnern die Schweden an Bands wie Mumford & Sons oder Friska Viljor. In derartige Schubladen gesteckt zu werden, macht Golden Kanine allerdings nichts aus. Parallelen machen ihre Musik vorstellbar und zugänglich, stell Saxophonist Laszlo Bertholini fest.

Es gibt einfach zu viele Bands, die behaupten, sie würden in keine Schublade passen. Das macht es natürlich schwierig, jemanden den Sound einer Band zu beschreiben und ihn zu überzeugen mal ein Konzert zu besuchen. Vergleiche sind da einfach hilfreich.

Für einen Großteil der Lieder bei Golden Kanine sind die beiden Masterminds Andreas Olrog und Linus Lindvall verantwortlich. Die Band komponiert allerdings auch gern gemeinsam – wenn auch auf eine nicht gerade gewöhnliche Art und Weise.

Wir haben bemerkt, dass wir eine ganz schön moderne Band sind, weil wir des Öfteren Videokonferenzen abhalten. Dadurch, dass der eine Teil der Band in Deutschland und der andere in Malmö rumhängt, müssen wir die Distanz irgendwie überbrücken. Wenn wir für die Bläser neue Sachen ausprobieren wollen, treffen wir uns also alle per Videokonferenz. Ich hätte nie gedacht, dass das klappt.

Ungewöhnlich ist diese Methode allemal, aber das Ergebnis funktioniert prächtig. Wenn Schweden ihre Finger im Spiel haben, ist das auch keine Seltenheit. Das Land ist eine Wiege für großartige Musiker. Dafür gibt es verschiedene Ursachen, sagen Linus Lindvall und Andreas Olrog.

(Linvall:) Ich denke das liegt an unserem guten Schulsystem in Schweden.

(Olrog:) Es liegt natürlich auch daran, dass wir von Kindesbeinen an die britische und amerikanische Kultur geradezu aufsaugen.

Woran es auch liegen mag – Golden Kanine wissen zu gefallen. Gerade tourt das Quintett durch Deutschland und verzückt auch live seine Zuhörer. Nach der Tour wollen die Schweden mit Hochdruck an ihrem neuen Album arbeiten. Wenn alles glatt läuft, erscheint das im kommenden Jahr. Und nachdem was man bisher von Golden Kanine gehört hat, ist das durchaus ein Grund zur Freude.