Im Portrait: Gisbert zu Knyphausen

04.05.2010

Eine warme Sommernacht am Elbstrand in Hamburg. Die Füße stecken im kühlen Sand, der Blick richtet sich auf die Brücken des Container-Terminals. So oder so ähnlich klingen die Songs von Gisbert zu Knyphausen – mal melancholisch, mal lakonisch. Gut vorstellbar, dass der Wahlhamburger hier zwischen Kränen, Möwen und Schiffen einige Textideen für seine neue Platte aufgeschrieben hat. Das Album ist sein zweites und trägt den Titel „Hurra! Hurra! So nicht!“. Seit gut einer Woche tourt Gisbert zu Knyphausen damit durch Deutschland. Wir haben ihn in Berlin getroffen und mit ihm über sein neues Album gesprochen.

Du weißt ja, eigentlich mag ich dich sehr gerne. Wenn du nur ab und zu mal deine Fresse halten würdest. Aber du zerredest mich so lang, bis ich nicht mehr weiß wo ich bin und was ich will. Komm, sei endlich still Melancholie, sei endlich still… (aus dem Song: Melancholie)

Nein, Gisbert zu Knyphausen hadert nicht mit einer verflossenen Liebe. Er hält Zwiegespräch mit sich selbst. Stellt sich seinem Trübsinn und seiner Schwermut. Zweifelnd, manchmal lakonisch kommen sie daher, seine Songs. Elf davon haben es auf das neue Album geschafft: Elf Mal Sehnsucht, elf Mal Melancholie.

Ich trag das schon immer mit mir rum, soweit ich weiß. Ich kann mich jedenfalls auch daran erinnern, dass ich mit 12 oder 13 Tage hatte, wo ich in meinem Zimmer gehockt hab und unermesslich traurig war und dachte: Ist alles komisch. Das gehört irgendwie zu mir. So eine Art innere Leere, die manchmal auftaucht und die ich dann erst einmal wieder überwinden muss und die dann diese melancholische Seite in mir befeuert.


Mit der Musik stellt sich Gisbert zu Knyphausen seinen inneren Monstern, wie er sagt. Sie ist eine Art Therapie, mit der er früh begonnen hat: Er studiert zuerst in Berlin, beginnt dort Songs und Melodien zu schreiben. Wenig später zieht er nach Holland – für eine Musiktherapeuten-Ausbildung, die er aber nie beenden sollte. In dieser Zeit hat er auch seine ersten öffentlichen Auftritte – bei Konzertabenden von Freunden oder in Jugendzentren, wie dem in Köln.

Da hat eine Ton-Steine-Scherben-Coverband gespielt, drei Punkbands und ich zwischendurch. Ich war so nervös, dass ich mich vorher komplett betrunken hab. Da waren natürlich ganz viele Leute, die überhaupt keinen Bock hatten auf so einen Hippie-Scheiß und das auch laut ausgesprochen haben. Die andere Hälfte ist aber interessiert stehen geblieben.

Seit Gisbert zu Knyphausen seine erste Platte rausgebracht hat, ist seine Fangemeinde stark angewachsen. Vor allem junge Frauen zieht es zu seinen Konzerten, bei denen die meisten seine Songs textsicher mitsingen können. Die ersten Auftritte in Berlin, Köln und Hamburg waren bereits ausverkauft. Etwas, was er staunend zur Kenntnis nimmt, was ihn aber auch vor jedem Auftritt mit einer gewissen Ehrfurcht erfüllt.

Ich hab auf jeden Fall Lampenfieber. Das werde ich wahrscheinlich auch nicht loswerden. Ich bin immer sehr nervös, bevor es auf die Bühne geht. Aber ich kann mich darauf verlassen, dass das irgendwann während des Konzerts aufhört. Meistens, idealerweise beim ersten Lied, wird man dann sicher und sagt: Okay, funktioniert.

Bei der Tour will Gisbert zu Knyphausen seine Band mehr in den Mittelpunkt stellen. Auf dem Album ist das bereits zu hören: Dichter und düsterer wirkt es als sein Vorgänger. Und auch sein Titel ist verklausulierter: Hurra! Hurra! So nicht. heißt das Album. Seine Fans werden ihm da widersprechen und rufen: „Doch, doch, genau so!“