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Ibeyi
Foto: Suleika Muller

Keine Angst vor Hits | Bonus-Episode mit Ibeyi

„Was wir nun alle brauchen, ist Heilung“

Mit ihrem neuen Album „Spell 31“ legen Ibeyi einen Schutzzauber über uns. Im Gespräch erzählt das kubanisch-französische Zwillings-Duo, wie es die letzten Jahre der Pandemie überstanden hat, was Magie und Achtsamkeit gemein haben und warum auch ein Punksong auf dem neuen Album gelandet ist.

Traditionell und zeitgenössisch 

Seit ihrem Debüt „Ibeyi“ mischen die französisch-kubanischen Zwillinge Lisa-Kaindé und Naomi Diaz in ihrer Musik unterschiedlichste Stile: westafrikanische Rhythmen treffen auf Jazz und Soul, Spirituals werden unterlegt mit kühlen elektronischen Beats und Synthesizern. Der Ansatz von Ibeyi ist traditionell und zeitgenössisch zugleich: Man hört hier den Einfluss von experimentierfreudigen R&B-Künstlern wie James Blake, aber auch das Erbe der Zwillinge: Ihr Vater ist der ehemalige Buena Vista Social Club Perkussionist Miguel Anga Díaz, der 2006 schon gestorben ist. Er war Nachfahre des westafrikanischen Volksstamms der Yoruba, die als Sklaven nach Kuba kamen. Ein Grund, warum Ibeyi in ihren Songs nicht nur auf Spanisch, Englisch und Französisch, sondern auch auf dem neuen Album „Spell 31“ immer wieder auf Yoruba singen.

Zeit zum Erholen & Reflektieren

Die eigene Biografie ist immer wieder Thema in der Musik von Ibeyi, aber auch politisches Bewusstsein: Auf dem zweiten Album „Ash“ aus dem Jahr 2017 reflektierten die beiden nicht nur die Wahl Trumps zum US-Präsident, sondern auch eigene Rassismuserfahrungen. Für „Spell 31“ stand zunächst ein Anliegen im Vordergrund der Platte: Den vergangenen Jahren der Corona-Pandemie ein positive Aussicht entgegen zu setzen.

Das Album ist in den letzten beiden komplizierten Jahren entstanden. Es ist eine Reaktion auf diese Zeit. Wir hatten das Gefühl, was wir nun alle brauchen ist Heilung. 

Ibeyi (Naomi und Lisa-Kaindé Diaz), Foto: Rafael Pavarotti

Ibeyi (Naomi und Lisa-Kaindé Diaz)
Foto: Rafael Pavarotti

Magie im Alltag

Eine heilende Wirkung können die empowernden Zeilen der Songs durchaus entfalten. Da ist z.B. „Tears are our medicine“, ein Plädoyer dafür, Trauer und Emotionen zu- und heraus zu lassen oder der Song „Creature (Perfect)“, der dazu ermutigt, die Ansprüche an sich selbst herunterzuschrauben. Was manch eine*r heute als Achtsamkeitsübung bezeichnen würde, beschreiben Ibeyi auf ihrem neuen Album als Magie.

Ich glaube an Magie. Ich meine damit zwischenmenschliche Verbindungen – zu lieben, zu heilen, zu leben und das bewusst zu merken. Diese Magie findet man im Pflanzen eines Gartens oder beim Kochen, beim Tanzen im verschwitzten Club um 4 Uhr morgens. Es ist wichtig zu merken: Magie ist überall.

Hymne für die Unterdrückten

Zwar wirken Ibeyi auf dem neuen Album eher introspektiv, einen Moment des Aufschreis gibt es aber auch auf „Spell 31“: Mit „Rise Above“ hat es ein Punkklassiker und Protestsong von 1981 aufs Album geschafft, den Ibeyi mit hypnotischem Gesang re-interpretiert haben. Zwar fehlen laute Gitarren, aber die Message klingt bei Ibeyi nicht weniger kraftvoll und nimmt direkten Bezug auf ein Ereignis, das unser kollektives Gedächtnis in den letzten Jahren neben der Pandemie ebenfalls stark geprägt hat: der Mord an George Floyd durch Polizeigewalt, den der britische Rapper BERWYN als Gast im Song besingt. Ibeyi wünschen sich, dass der Song in Zukunft auf ihren Konzerten laut mitgesungen wird.

Der Song ist George Floyd gewidmet, aber auch Frauen und allen Menschen, die unterdrückt werden.

Ägyptische Mythologie

Angelehnt ist der Albumtitel an eine beschwörende Formel aus der ägyptischen Mythologie, der den Ahnen Schutz im Reich der Toten schenken soll. Diesen wohlwollenden Schutzzauber scheinen Ibeyi aber auch auf ihr gesamtes Album gelegt zu haben – für alle, die den Songs zuhören, aber auch für das nächste Kapitel ihres musikalischen Werdegangs. Und da wären wir wieder bei Ibeyis Biografie: Auf dem neuen Album reflektieren die Zwillinge ihren Werdegang und feiern im Song „Sister 2 Sister“ auch endlich genau das, was ihr gemeinsames Projekt ausmacht – ihre Schwesternschaft. Dazu sagt Lisa-Kaindé:

Je mehr ich zurückblicke und darüber nachdenke: Ich hätte das hier alles nie ohne sie gemacht. Ich hätte es keine fünf Minuten alleine ausgehalten. Dieses Projekt ist nur etwas wert, weil es unser gemeinsames Projekt ist.

Wie das Album „Spell 31“ zwischen Paris und London während der Pandemie entstehen konnte, warum Ibeyi das Original des Songs „Rise Above“ von Black Flag nach wie vor nicht angehört haben und wo die Zwillinge den ägyptischen Zauberspruch „Spell 31“ gefunden haben, erfahrt ihr in dieser Bonus-Folge von Keine Angst vor Hits.

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