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Noga Erez
Foto: r604m

Keine Angst vor Hits

Zwischen Werbejingle und Live-Ticker

Anderson.Paak veröffentlicht einen Song-gewordenen Live-Ticker, Albrecht Schrader hat mit 37 sein Coming-of-Age-Album gemacht, Noga Erez hat keine Lust auf Fernsehen und Nadine Shah nimmt überkommene Geschlechterklischees auseinander. Außerdem: Der Global Pride Day online. All das und mehr in Keine Angst vor Hits.

We wanted to represent two things on this record: one is we wanted to represent the world. And we wanted that to be reflective of where we’re from as a band, which is Houston. Because Houston is a global melting pot of a city. So in representing the world, we’re also representing our home. – Laura Lee Ochoa (Khruangbin)

Neue Alben

Khruangbin – Mordechai

Das texanische Trio Khruangbin ist in letzter Zeit sehr beschäftigt gewesen. Nach einer ausgedehnten Tour rund um den Globus zum letzten Album „Con Todo El Mundo“ ist erst im Februar die EP „Texas Sun“ mit Soulsänger Leon Bridges erschienen. Jetzt kommt das dritte Studioalbum „Mordechai“, auf dem sie ihren lässigen Mix aus persischem Funk, ostasiatischem Surf-Rock und jamaikanischem Dub um eine Spur leicht anrüchige Nouvel Vague oder obskure Details wie indische Mantra-Chanting-Boxes erweitern. Mit Texten bekommt ihre eskapistische Musik eine neue Tiefe, ohne ihren nomadischen Spirit zu verlieren.

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Nadine Shah – Kitchen Sink

Die britische Musikerin Nadine Shah nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie verpackt sperrige Themen wie Rassismus, Sexismus oder psychische Gesundheit in post-punkige Indierocksongs und war damit schon für den Mercury Prize nominiert. Auf ihrem vierten Album „Kitchen Sink“ nimmt sie sich überkommene Geschlechterklischees vor: das vernachlässigte Trophy-Wife oder die „Cougars“ – Frauen, die mit jüngeren Männern zusammen sind. Das tut sie glücklicherweise nicht verbissen und faustschüttelnd, sondern mit viel Humor, verspielt und gleichzeitig tiefgründig. Musikalisch setzt sie das in Pop/Postpunk um, den sie mit orientalischen Einsprengseln wie indischen Tabla-Trommeln, anreichert.

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Albrecht Schrader – Diese eine Stelle

Albrecht Schrader kommt aus Hamburg und ist schon eine Weile im Musikgeschäft: 2012 ist seine Debüt-EP erschienen, bekannt geworden ist er als Bandleader von Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royale“-Show. Sein zweites Album „Diese eine Stelle“ ist ein spätes Coming-of-Age-Werk, auf dem er endlich die Scham des gehobenen familiären Background zwischen „Elbchaussee“ und Blankenese vearbeitet. Und zwar ganz unironisch. Im Musikzimmer-Interview hat er Moderator Christian Erll auch verraten, warum ihn Rockmusik langweilt. Auf „Diese eine Stelle“ verbindet Schrader Soul gekonnt mit Schlager.

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Neu auf der Playlist

Noga Erez – NO News on TV

Noga Erez hat kürzlich schon mit “Views” die Unsitte thematisiert, sich auf Social Media Follower zu kaufen. Co-Schreiber, -Komponist und -Producer war Ori Rousso, mit dem sie auch bei diesem Track zusammenarbeitet. Auch die Medien und wie wir sie nutzen kritisiert Noga Erez weiter. Und fragt sich: Wie wär das eigentlich, wenn wir Handy und Fernseher komplett abschalten würden? Wegen der Corona-Ausgangsbeschränkungen hatte die Künstlerin aus Israel Zeit das auszuprobieren. Und so ist “NO News on TV” eine Art Gedankenexperiment. Und das einzige was vom TV bleibt, ist der leicht werbejingelige, moderne Pop-Sound.

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Anderson .Paak – Lockdown

Die Proteste in den USA gegen Rassismus und Militarisierung in Polizei und Behörden gehen nun schon seit einigen Wochen. Das ist natürlich nicht verwunderlich. Denn als Schwarzer oder Schwarze in den USA muss man auch heute noch, hunderte Jahre nach dem Ende der Sklaverei, jeden Tag damit rechnen, dass der eigene Staat und dessen Repräsentanten einen mies behandeln oder sogar umbringen. Ausnahmekünstler Anderson .Paak hat mit “Lockdown” den Song zur aktuellen Situation auf den Straßen der US-amerikanischen Städte gemacht. Der Sound ist – typisch für Anderson .Paak – groovig-soulig, die Message eher rebellisch. Und der Song insgesamt eine Art Newsticker der letzten Tage und Wochen.

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Bright Eyes – Mariana Trench

Conor Oberst hat vermutlich tausende Songs geschrieben. Aber noch nie einen mit Dudelsack, weswegen er mit seiner Band Bright Eyes nach einer jahrelangen Pause bereits vor einigen Wochen in Keine Angst vor Hits zu hören war. Auch ohne weitere Dudelsäcke scheint Oberst Bright Eyes ein Sound-Update geben zu wollen. Folk-Pop 2.0 quasi. Die etwas angereicherte Produktion ist auch in “Mariana Trench” vernehmbar, während Oberst – wie gewohnt – weltschmerzend singt. Und zwar darüber, wie unsere Symbole und Auswüchse moderner Zivilisation zerfallen, während der Mariannengraben und Mount Everest uns mit ihrer Größe überdauern werden.

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