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Sylvan Esso / Foto: Elizabeth Weinberg
Sylvan Esso / Foto: Elizabeth Weinberg

Keine Angst vor Hits

Sand im Schokoeis

Liza Anne nimmt uns mit in den Urlaub, Get Well Soon sorgt für den notwendigen Rausch und Sylvan Esso drehen Kreise im Riesenrad. All das und mehr in unserem wöchentlichen Musik-Update namens Keine Angst vor Hits.

Neue Alben

Jessy Lanza – All The Time

Jessy Lanza kommt aus einer kanadischen Kleinstadt. Hamilton war früher Mittelpunkt der kanadischen Stahlproduktion, mittlerweile ist der einstige Glanz aber erloschen und hat einer gähnenden Langeweile Platz gemacht. Trotzdem ist die Produzentin und Musikerin viele Jahre dort geblieben, um trotz ihres Erolgs mit ihren ersten beiden Alben „Pull My Hair Back“ und „Oh No“ nicht abzuheben. Ihr Jazz-Studium und die Arbeit als Klavierlehrerin haben ihr das Wissen gegeben, dass sie braucht, um den unaufgeregten RnB zu kreiren, der sich jetzt auch durch „All The Time“ zieht. Moderner Glitchpop trifft hier auf minimalistisch gehaltene Effekte. Für sie eine Mischung aus all den Song, die sie in den letzten 40 Jahren gemocht hat. Mittlerweile lebt Jessy Lanza in New York, wo sie sich anfang noch ganz schön einsam gefühlt hat – weg von Freunden, Familie und dem eigenen Studio. Diese Melancholie ist authentisch und man spürt sie auf den zehn Songs der Platte.

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Liza Anne – Bad Vacation

Urlaub kann so schön sein – zumindest bis man einen Sonnenstich hat und Sand auf die Eiskugel rieselt. Für Liza Anne hat Urlaub gute und schlechte Seiten, genauso wie eine Beziehung. „Bad Vacation“ nimmt einen mit durch Anne’s Unterbewusstsein. Das ist manchmal selbstironisch und schwarzhumorig, aber oft auch unsicher und strotz vor Selbstmitleid. Letzterem widmet sich auch der erste Teil des Albums, danach geht es deutlich optimistischer weiter. Von Power Pop, über Grunge, bis hinzu Indie Rock ist hier alles verteten und man hört, dass Liza Anne ihre neue Veröffentlichung für ein Live-Publikum geschrieben hat. Hoffentlich, gibt es auch bald wieder die Möglichkeit dazu.

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Sandra Hüller – Be Your Own Prince

Lange hat Sandra Hüller ihre Musik für sich behalten. Die Thüringerin ist eigentlich Schauspielerin, bekannt unteranderem aus dem erfolgreichen Spiefilm „Toni Erdmann“, und wollte nicht dem klassischem Cliche eines singenden Schauspielers entsprechen. Letztendlich wollte sie die sieben Songs, die teilweise schon jahrelang in ihrer Schublade lagen, aber doch der Öffentlichkeit präsentieren. Zum Glück, denn „Be Your Own Prince“ ist keines falls eine weitere pathetische Popplatte geworden, sondern ein anspruchsvolles Werk, irgendwo zwischen Folk, Elektro und Pop. Da Hüller kein Instrument spielt, hat sie die Lieder auf einer Kalimba geschrieben und wurde dann im Studio von Musiker und Schauspielkollegen Daniel Freitag unterstützt. Rausgekommen ist ein intimes und vielfältiges Mini-Album.

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Neu auf der Playlist

Get Well Soon – Funny Treats

Get Well Soon ist der Künstlername von Konstantin Gropper. Der hat 2018 sein bereits achtes Album veröffentlicht. Und auch anderweitig gut zu tun. Denn Get Well Soon hat die Filmmusik zu “How to sell drugs online (fast)” komponiert. Zum Start der zweiten Staffel von Deutschlands erfolgreichster Netflix-Produktion veröffentlicht er “Funny Treats”. Der Song basiert auf dem Thema der Serienmusik. Und er wird Euch vermutlich im Gegensatz zur Serie auch in fünf bis zehn Jahren noch nicht peinlich sein.

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Sylvan Esso – Ferris Wheel

Sylvan Esso ist ein Elektropop-Duo aus North Carolina. Amelia Meath und Nick Sanborn sind aber nicht nur auf der Bühne ein Duo. Sondern auch ein Ehepaar. Er spielt die Instrumente, sie singt, produzieren tun sie das dann gemeinsam. Über die gemeinsame Arbeit sagt Meath:„Im Kern von Sylvan Esso steckt dieser merkwürdige Zwiespalt. Nick möchte, dass die Dinge möglichst beunruhigend klingen, aber ich will, dass man sich die Klamotten vom Leib reißt und tanzt.” Klarer Fall von Gegensätze ziehen sich an. In “Ferris Wheel” tanzt Amelia sehr sehenswert auf dem Rummelplatz. Und Nick steht beunruhigt daneben. Der Song ist die erste Single aus dem Album „Free Love“, das am 25. September erscheinen soll.

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The Avalanches feat. Jamie XX, Neneh Cherry, CLYPSO – Wherever you go

Das Beste kommt zum Schluss. Denn ein bisschen Geduld solltet ihr mitbringen für The Avalanches. Wenn ihr auf ihre Alben wartet, denn zwischen dem ersten (2000) und zweiten (2016) lag eine halbe Ewigkeit. Und auch die neueste Veröffentlichung “Wherever You Go” ist mit knapp 6 Minuten eher Formatradio-avers. Allerdings sind in dem wendungsreichen Track auch drei Songs und Stimmungen zusammenkomprimiert. Darin haben The Avalanches ihr Stammgenre der Breakbeats (vorübergehend?) für elektronischere Klänge verlassen. Und mit Features wie Jamie XX, Neneh Cherry, CLYPSO und Mick Jones (The Clash!) unterstreichen sie ihre genre- und generationenübergreifende Anschlussfähigkeit im Pop. Und das ohne es wie der “Spotifycore” alles in 30 Sekunden abfrühstücken zu müssen. Wir hoffen dennoch, dass das nächste Album nicht noch 14 Jahre dauert und schauen so lange das fantastische Video in Dauerschleife.

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