“Kill For Love” – Italo-Synthie-Pop von Chromatics

08.06.2012

Vom Post-Punk der frühen Jahre ist die US-Band Chromatics mittlerweile weit entfernt. Mit ihrem Italo-Disco beeinflussten Synthie-Pop haben sie sich eine große Fangemeinde erspielt, nicht zuletzt weil sie kürzlich im düsteren Ryan-Gosling-Film „Drive“ zu hören waren. Das Album „Kill For Love“ hat es mit einem nicht unbedingt massentauglichen Sound sogar auf Platz 25 der US-Charts geschafft.

US-Band Chromatics mit Sängerin Ruth Radelet (Foto: Promo)

Autor: Kai Thomas

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Gangsterduo auf der Rückbank, Zahnstocher im Mundwinkel und bloß keine Miene verziehen: Ryan Gosling flüchtet nachts im Chevrolet durch erleuchtete Straßenschluchten. Unterlegt ist die Eingangssequenz des Thrillers Drive mit einem Chromatics-Track.

Perfekt gewählt: Ihr Sound erzählt wie derzeit kein anderer von der Einsamkeit unterm blinkenden Netz der Lichter in den rastlosen Megametropolen. Kill For Love trifft den Zeitgeist der entwurzelten Arbeitsnomaden, die von Job zu Job durch die Großstädte ziehen, in zwischenmenschlicher Unverbindlichkeit hängen bleiben und niemals ankommen.

Auf dem Titeltrack singt Ruth Radelet das Klagelied der schlaflosen Killerin, die aus Liebe mordet. Eingerahmt von Hi-Hat-Vorhängen, unterlegt mit Four-to-the-Floor-Bassdrum und samtweichen Italo-Disko-Klängen zählt sie die Pillen und Flaschen des Vergessens.

Mit dieser Melancholie sind die 17 Titel von Kill For Love durchweg getränkt. Das ist süchtig machender Eskapismus par excellence. Dass den Chromatics mit Into The Black auch noch das Kunststück gelingt, einem Neil-Young-Klassiker elegisch und entrückt neues Leben einzuhauchen, krönt sie: »Rock and roll is here to stay. It’s better to burn out than to fade away. My my, hey hey.«