Lachen und weinen gleichzeitig – New Found Land im Porträt

31.03.2011

Wenn Familienmitglieder zusammen Musik machen, kann das gefährlich werden – für die Band, aber auch für die Familienidylle. Berühmtestes Beispiel: die Gallagher-Brüder der britischen Band Oasis. Bei der schwedisch-deutschen Band New Found Land sind es keine Geschwister, sondern ein Ehepaar, das an der Spitze steht: Die Schwedin Anna Roxenhold und ihr Mann Moritz Lieberkühn. Die beiden leben in Berlin und haben mit sechs weiteren Musikern gerade ihr zweites Album „The Bell“ veröffentlicht.

New Found Land - The Bell

The Bell

New Found Land

(Fixe Records, bereits erschienen)

New Found Land kommen genau richtig zum Frühlingsanfang. Munter springt ein Vibrafon durch die Songs. Tuba, Saxofon und Triangel tänzeln leichtfüßig durch die Melodien. Darüber liegt die weiche Stimme der Schwedin Anna Roxenhold. Bei so viel Harmonie denkt man an Sonnenschein und gute Laune. Nicht so Anna Roxenhold. Sie beschreibt ihre Musik eher als einen fröhlichen Totentanz:

Ich finde, die Melodien klingen sehr fröhlich, aber die Texte behandeln oft traurige Dinge. Ich hoffe, das kann eine Ermutigung und Inspiration sein für Leute, denen es gerade nicht so gut geht. Sowas wie eine Aufheiterung eben.

Auch wenn New Found Land als Band auftreten, Frontfrau und Mastermind ist die Schwedin Anna Roxenhold. Man könnte auch vermuten, New Found Land sei ihr Projekt, zu dem sie sich ein paar zufällige Musiker eingeladen hat. Denn die Songs und Ideen für die Arrangements stammen alle aus ihrer Feder. Als die Band letztes Jahr in Südschweden ins Studio ging, hatte Anna einen festen Plan im Kopf, wie jeder Song klingen sollte. Geschrieben hatte sie die Stücke alle in einer Zeit, in der es ihr nicht so gut ging:

Songs schreiben ist für mich wie eine Therapie. Ich schreibe dann, wenn ich irgendwas bewältigen muss. Klar ist mir in letzter Zeit auch viel Schönes passiert, aber das muss ich nicht so verarbeiten. Ich schreibe über das, was raus muss aus meinem Kopf.

Eigentlich hat Anna Roxenhold die Band vor drei Jahren als Duett gegründet. Damals hatte sie keine musikalische Erfahrung, konnte kaum Gitarre spielen und hatte auch noch nie Songs geschrieben. Deswegen heißt die Band New Found Land. Nicht etwa wegen der Insel Neufundland, sondern weil Musik für Anna im wahrsten Sinne des Wortes ein neu entdecktes Gebiet war. 2009 erschien das erste Album We All Die in Schweden. Mittlerweile lebt Anna in Berlin und aus dem Duett ist eine große Band geworden. Zwischen sechs und zehn Musiker stehen bei ihren Konzerten gemeinsam auf der Bühne. Das hört man dem neuen Album The Bell auch an. Es klingt viel voller und routinierter als der Vorgänger.

Die Stücke auf unserem ersten Album sind die ersten, die ich jemals geschrieben habe. Ich bin jetzt viel besser geworden in meinem Songwriting. Aber auch auf “The Bell” bin es immer noch ich, mit meinen Songs, auch wenn sie gewachsen sind. Was sich nicht verändert hat, ist die Mischung aus Melancholie und Heiterkeit, wie Lachen und Weinen zur gleichen Zeit. Die Widersprüche eben.

Abwechslungsreich und teilweise gespickt mit Widersprüchen ist The Bell auf jeden Fall. Über den Vergleich mit einem Totentanz aber kann man sich streiten. Denn wenn Liebeskummer und Traurigkeit so unbeschwert klingen, dann werden sie doch gleich ein bisschen erträglicher.