Mount Washington: Neuer Name, neuer Anfang

13.04.2012

Wenn eine Band beim vierten Album ihren Namen ändert, muss es dafür einen triftigen Grund geben. Bei Mount Washington – bisher einfach nur „Washington“ – ist vor allem eine australische Musikerin verantwortlich für die Umbenennung. Wir haben mit Mount Washington über die Notwendigkeit des Neustarts und das neue Album der Norweger gesprochen.

Album, Heimatstadt, Bandname - alles neu bei Mount Washington (Foto: Matthias Heiderich)

Es ist schwer genug, wenn man so heißt wie die Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika. Sich da als Band im Suchmaschinen-Ranking durchsetzen zu wollen, ist ein ambitioniertes Unterfangen. Wenn man dann auch noch in Konkurrenz steht mit anderen Musikern gleichen Namens, die aber schon mehr Erfolg haben, braucht man eine hohe Frustrationstoleranz.

Mit genau diesem Problem hat sich die norwegische Band „Washington“ jahrelang herumgeschlagen – bis sie an den Punkt kam, wo eigentlich nur noch ein neuer Name in Frage kam. Durchaus ein Risiko, vor allem, wenn man schon einige Alben aufgenommen hat und ein gewisser Wiedererkennungswert bleiben soll. Letztlich wurde der Bandname nur leicht erweitert – und jetzt starten „Mount Washington“ mit dem gleichnamigen Album einen neuen Anlauf, sich im Netz und auf Musikplattformen wie iTunes oder Spotify einen Platz zu erobern.

Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, immerhin waren wir schon einige Jahre unter dem Namen “Washington” unterwegs. Aber es gibt diese australische Künstlerin, Megan Washington, die gerade sehr erfolgreich ist und irgendwann kamen wir auf Spotify und iTunes einfach nicht mehr gegen sie an. Es ist ja schwer genug, wenn deine Band genauso heißt wie die amerikanische Hauptstadt. Klar, es ist ein Risiko, den Bandnamen zu ändern, aber letztlich ist es für uns jetzt doch ein bisschen einfacher.

Rune Simonsen, der Sänger von Mount Washington, findet also, dass der Neustart mit neuem Namen die richtige Entscheidung war. Neben der Namensänderung gab es konsequenterweise gleich noch einige Neuerungen für die Band, die bislang als Trio unterwegs war. Mittlerweile stehen Mount Washington bei Auftritten zu fünft auf der Bühne. Auch mit dem Sound haben sie eine neue Richtung eingeschlagen. Bisher bewegten sich Mount Washington klanglich vor allem auf der Folk- und Americana-Schiene. Die akustischen Instrumente geben zwar nach wie vor die Grundrichtung vor, aber darüber hinaus sind auf dem neuen und vierten Album deutlich mehr elektronische Elemente zu hören. Rune Simonsen selbst bezeichnet den Richtungswechsel im Sound als „Modernisierung“, für die die Zeit einfach reif war.

Wir haben unseren Sound ein bisschen moderner gemacht – wir haben bisher doch ziemlich in der Vergangenheit gesteckt und uns sehr auf akustische Instrumente konzentriert. Wir brauchten eine neue Herausforderung und haben mittlerweile ohnehin ein größeres Interesse an elektronischer Musik entwickelt, also war es ganz natürlich, in dieser Richtung weiterzumachen.

Die andere Herausforderung, die sich die Mitglieder von Mount Washington gestellt haben, war ein Umzug – nach Berlin. Die neue Umgebung sollte zum einen für frische Ideen und Inspiration sorgen bei den Aufnahmen zum neuen Album. Zum anderen war klar, dass die deutsche Hauptstadt ein günstigerer Ausgangspunkt für das Touren ist als das norwegische Tromsø. Zumindest das mit der Inspiration hat offenbar schon bestens funktioniert. Der Einfluss von Berlin sei definitiv zu spüren auf dem Album – auch wenn man gar nicht darüber nachdenkt, sagt Rune, findet der Klang der Stadt doch einen Weg in deinen Kopf.

Es beeinflusst dich, selbst wenn du gar nicht darüber nachdenkst. Man hört all diese unterschiedlichen Arten von Musik in den Clubs und dann ist da immer dieser House-Beat, egal wo man hinkommt. Und du denkst, ok, dieses „Boom, Boom, Boom“ – das ist wohl der Sound von Berlin.

Obwohl das Klanggefühl der Stadt Rune Simonsen und seine Bandkollegen inspiriert hat, wollten Mount Washington doch nicht so weit gehen, ihr Album als „Berlin-Platte“ aufzunehmen. Der Berlin-Faktor schwingt eher als Grundton in der generellen Neuausrichtung der Norweger mit. Der einzig klare Bezug zu ihrer neuen Wahlheimat taucht im Video zur ersten Single „Lisboa“ auf – eine filmische Liebeserklärung in schönen Schwarz-Weiß-Bildern an Berlin.

Neuanfang hin oder her, einige Dinge haben sich dann doch nicht geändert. Geblieben ist zum Beispiel der leicht melancholische Einschlag, der sich auch schon durch die bisherigen Alben von Mount Washington gezogen hat. Das habe mit dem neuen Sound eigentlich gar nichts zu tun, sagt Rune, es sei vielmehr ein Stück Band-Identität.

Dieser melancholische Einschlag begleitet uns seit Jahren. Das machen wir gar nicht mit Absicht, es ist einfach Teil unserer Identität. Und egal wie sehr wir mit elektronischen Elementen oder anderen Dingen herumspielen, ändert das doch nichts daran, wie wir als Musiker denken und spielen. Es ist einfach eine Frage der Herangehensweise.

Mount Washington ohne Melancholie wird es also nicht geben – und es ist ja auch gar nicht nötig, sich zwanghaft einem Trend anzupassen, wenn der dem eigenen Stil nicht entspricht. Der einzige Kompromiss, den die Band beim neuen Album eingegangen ist, war der Titel für die Platte. Eigentlich sollte sie „No time to lose“ heißen – die Plattenfirma fand das aber zu langweilig. Jetzt heißt das Album schlicht und einfach „Mount Washington“ – die beste Eigenwerbung für den neuen Namen und einen neuen Anfang.