Musik wie auf Wolken – Tame Impala in Berlin

25.08.2010

Gestern gaben Tame Impala in Berlin ihr einziges Solo-Konzert in Deutschland. Wir von detektor.fm waren dabei und haben unseren Reporter Sebastian Schwesinger ins Hotel der Australier geschickt, um mit Frontmann und Mastermind Kevin Parker über die 70er und modernen psychedelischen Rock zu sprechen.

Tame Impala am 24.8. im Comet Club in Berlin (Foto: Sebastian Schwesinger)

Alle reden über die 80er und 90er – die als Richtschnur für jede neue Band herhalten. Auf der Suche nach Abwechslung tauchen da mit einem Mal Tame Impala auf, die sich so gar nicht an die Gesetze des sich ständig wiederholenden Musikzirkels halten wollen. „A steady flowing psychedelic Groove Rock Band“ wollen sie sein, mit einem Gespür für Melodien zum Davontreiben.

Wir versuchen so sehr wie möglich Dream Pop zu machen, mit richtig schönen Melodien, aber trotzdem akzentuiert und groovig. Ich finde Groove gibt dem ganzen die richtige Bewegung, ob er nun aus der elektronischen Musik oder aus den 60ern kommt. Dream Pop ist in der Regel sehr gleitend, fast wie Wolken. Aber wenn er einen Beat bekommt, dann bewegen sich die Wolken. Er wird dadurch dynamischer.

Tame Impala bleiben also nicht bei der reinen Wiederbelebung der psychedelischen Rockmusik der 70er Jahre stehen. Bereits ihren ersten Aufnahmen hört man ein erhebliches Interesse an tanzbarer Clubmusik an.

Es war immer das Ziel sowas zu integrieren. Ich stand schon immer auf Elektro und Dance. Ich habe aber erst jetzt einen Weg gefunden, diese Elemente in die Rockmusik zu integrieren, ohne dass sie fehl am Platz klingen. Wir waren ziemlich isoliert in Perth, weit weg von der Welt und hörten so nur die Musik die wir kriegen konnten. Seit dem wir angefangen haben, herumzutouren, haben wir auch viel mehr unterschiedliche Musik zu hören bekommen.

Das Reisen hat sich gelohnt. Tame Impala haben ihren Horizont erweitert und so auch eine bessere Mischung zwischen Groove und bewusstseinserweiternden Klangflächen gefunden. Die Begeisterung für die Musik der späten 60er und 70er hat sich Kevin Parker also nicht aus dem Plattenschrank seines Vaters geholt. Er musste schon ein bisschen genauer suchen, um Paten für sein musikalisches Konzept zu finden.

Ich mag die Vorstellung, eine Art elektronische Musik zu machen, die aber immer noch von Menschen gespielt wird; mit einem echten Schlagzeug und nicht mit einem Computer-Programm. Weniger programmierte Elektronik und dafür mehr Handgemachtes. Das ist in etwa wie bei deutschem Krautrock aus den 70ern. Wir lieben die Sachen aus der Zeit! Ich finde den Ansatz interessant, sehr repetitive und hypnotische Musik zu machen, aber nicht mit Drum Machines und Sequenzern, sondern es sind echte Leute die das spielen.

Der Innovationsdrang deutscher Krautrockpioniere wie CAN oder Neu! hat es ihm angetan. Und das gilt jederzeit. Auf Tour sieht das meist so aus: Während sich die anderen Bandmitglieder die Städte anschauen, sitzt Kevin Parker lieber auf seinem Hotelbett und bastelt mit Gitarre und Laptop an neuen Songs. Und selbst wenn er raus geht, hängt das Diktiergerät stets um seinen Hals. So nähren sich die Gerüchte, dass das nächste Album schon in Arbeit sei, gerade mal ein viertel Jahr nach Erscheinen ihres Debüts.

Das was wir letztendlich machen wollen, ist Musik aufnehmen, und das tun wir quasi zwanghaft, wie jetzt auch hier. Da wir viel Zeit haben, besonders wenn wir zuhause sind, fangen wir automatisch an, Songs aufzunehmen. Wir haben so viele neue Titel und schon so viel aufgenommen, dass wir eigentlich nur noch am Tracklisting arbeiten. Ich glaube, dass wir damit bald fertig sind. Ich habe zurzeit sehr viele Ideen und es geht sehr leicht von der Hand.

Auch wenn er nicht zu viel verraten will, die Experimentierfreude hat Tame Impala nicht verlassen. Mit noch verrückteren Sounds wollen sie die Hörer in Zukunft überraschen. Die ganze Effektwelt moderner Studiotechnik aber auf die Bühne zu bringen, bleibt eine schwierige Aufgabe.

Im Studio kannst du alles anstellen, um den richtigen Sound zu bekommen. Du kannst das Schlagzeug aufnehmen und Mikros hinstellen, wo immer du willst – und mit einmal hast du diesen explodierenden Sound. Aber live musst du Gitarren und andere Instrumente drum herum spielen und das macht es viel schwieriger. Deswegen arbeiten wir wie besessen daran, einen besseren Live-Sound hinzubekommen, einen der näher am Album ist.

Ein paar Stunden später stehen sie auf der Bühne – barfuß – um ein Sammelsurium diverser Effektgeräte bedienen zu können. Alle Bedenken bezüglich der Technik sind vergessen. Tame Impala haben einen 70er Jahre Sound kreiert, der alles andere als aufgewärmt klingt. Und die Fans sind aus dem Häuschen.