Musikvideo der Woche | ZHU feat. Nero „Dreams“

Nackter Albtraum als Videokunst

18.10.2017

Mit dem Musikvideo zu "Dreams" entführt uns DJ ZHU in Zusammenarbeit mit den Dubstepern von Nero auf einen Trip in eine animierte Vorhölle. Das Video zu "Dreams" ist eine visuelle Melange, die Faszination und Beklemmung erzeugt.

ZHU ist ein US-amerikanischer DJ mit chinesischen Wurzeln. Bereits 2014 landete er mit „Faded“ auf Platz 18 der deutschen Single-Charts und hielt sich dort für 28 Wochen. Für seinen neuen Track „Dreams“ holte er sich Unterstützung vom Britischen Dubstep und Drum-and-Bass-Trio Nero. Für Maurice Gajda ist das Video definitiv Kunst und eines der schönsten Videos des Jahres.

Willkommen im Limbus

Massen regloser, nackter Körper liegen quer übereinander geschichtet. Das Video zu „Dreams“ von ZHUund Nero gleicht einem Trip in die Vorhölle. Denn die Kamerafahrt offenbart abertausende nackter Körper in einem grenzenlosen Raum. Abseits dieser Ruhe, ebenfalls nackte, wild tanzende Menschen. Daneben fliegen nackte Körper ineinander und zerbersten. Immer wieder wird das Ganze von Aufnahmen der amorphen Masse unterbochen, unter der es zu brodeln beginnt und die leblosen Körper wabern umher. Tod, Ekstase, Erlösung, eine Ansammlung religiöser Zitate. Denn inmitten des brodelnden Menschenhaufens erheben sich rot-glühende Körper und steigen empor.

Das Video ist irgendwo zwischen Berliner KitKatClub um kurz nach vier, verweistes Zombiekaufhaus und ein bisschen Schaufensterpuppen-Apokalypse. – Maurice Gajda, Musikvideogucker

ZHU und Nero meets Ferguson und Sellers

Allein, dass sich ZHU und das britischen Dubstep-Trio zusammen getan haben ist schon eine Überraschung. Dass sie für ihr Musikvideo den Produzenten Elliot Sellers und den CGI-Videokünstler Erik Ferguson gewinnen konnten, setzt dem Ganzen wohl die Krone auf. Zwar haben der kalifornische DJ und Beatbastler und Sellers schon einmal zusammen gearbeitet, doch erst die perfekte Arbeit des CGI-Profis Ferguson macht die Inszenierung perfekt.

Das Spannende ist, dass das Video so eine Mischung aus gefilmten Echbild und komplett animierten Aufnahmen ist und man sieht den Unterschied nicht. – Maurice Gajda

Wie faszinierend das Video zu „Dreams“ von ZHU und Nero ist und welchen Horror Maurice noch entdeckt hat, darüber hat detektor.fm Moderatorin Juliane Neubauer mit unserem Musikvideo-Liebhaber Maurice Gajda gesprochen.

ZHUDie Tanzaufnahmen sind durch einen Choreografen gemacht, aufgenommen in einem Studio mit viel Stroboskop-Licht und plötzlich befindst du dich wieder in Welten, die können nicht echt sein. Das ist aber so gut gemacht, dass du völlig perplex bist und das Gefühl hast, du schaust gerade einer avangardistischen Zombi-Apokalypse zu.Maurice Gajdabeschäftigt sich mit zeitgenössischer Musik und visuellen Medien. 

Redaktion: Jérôme Fischer