“Perfekte Unperfektheit” – Badly Drawn Boy über sein neues Album

25.11.2010

Der Mann mit der Mütze ist zurück. Gemeint ist Damon Gough, ein 41-jähriger Engländer, der sich irgendwann Mitter der 90er in eine Zeichentrickfigur verguckte. Die hatte einen riesigen Kopf und eine grüne Mütze, sah selbstbewusst aber auch ein bisschen „badly drawn“, schlecht gezeichnet aus. „Fast wie ich“, dachte sich damals Damon Gough. Seitdem nennt er sich „Badly Drawn Boy".

Badly Drawn Boy - It's What I'm Thinking

It's What I'm Thinking

Badly Drawn Boy

(Edel Records, bereits erschienen)

Mittlerweile kann er auf eine stolze Bilanz von vier Studio-Alben und zwei Hollywood-Soundtracks zurückblicken. Seit neustem kann er noch eins drauflegen, denn er hat ein neues Album gemacht, welches den Beginn einer Trilogie darstellt. Ganz schön produktiv, dieser Damon Gough. Er selbst sagt rückblickend aber, dass er noch viel mehr hätte machen können:

Für mich ist Musik wie eine Therapie. Wenn man einen guten Song schreibt, fühlt man sich glücklich, fast wie ein anderer Mensch. Und ich bin jemand, der immer will, dass es weitergeht. Deswegen will ich auf dem aktuellen Album nicht allzu lang rumsitzen. Ich freu mich auf die Tour, aber danach soll’s direkt weitergehen mit dem nächsten Album. Die Idee mit der Trilogie ist also eigentlich eine ziemlich eigennützige Idee, um sich selbst unter Druck zu setzen. In den letzten 10 Jahren hätte ich viel kreativer sein und mehr machen können.

Sein neues Album heißt nun It’s What I’m Thinking und trägt den Zusatz Photographing Snowflakes. Und das kommt nicht von ungefähr:

Beim Songschreiben geht’s vor allem darum, einen sehr kurzen Moment einzufangen. Danach ist es ziemlich harte Arbeit, diesen kleinen Moment in einen Song umzuwandeln. Von diesen kleinen Ideen hab ich tausende, die nur noch umgesetzt werden müssen. Und deswegen auch der Albumtitel: Photographing Snowflakes – also eine Metapher für das Einfangen dieser speziellen, kleinen Momente.

Bis auf einen Soundtrack im letzten Jahr ist es um Badly Drawn Boy zuletzt recht still geworden. Das lag auch daran, dass er sich selbst zurückgezogen hat, auch ein bisschen den Glauben an seine Fähigkeiten verloren hat, wie er uns erzählt. Nachdem sein letztes Studioalbum von den Kritikern eher als mittelmäßig eingestuft wurde, scheint die Resonanz zum neuen Album etwas positiver auszufallen.

Die Leute sagen, es sei eine Rückkehr zu alter Topform. Ich kann mich nicht erinnern, irgendwann mal nicht in Topform gewesen zu sein. Eigentlich hab ich immer konstant gute Alben gemacht. Nur weil ich eine Zeit lang nichts rausgebracht und nun mein eigenes, neues Label habe, leiten die Leute daraus etwas Positives für das Album ab. Ich finde, das Album ist nicht im besonderen Maße interessanter als meine alten Alben. Es ist einfach gut!


An Selbstbewusstsein mangelt es Damon Gough nicht. Dabei kann es doch manchmal schwierig sein, den eigenen Anforderungen gerecht zu werden, weil man ja dann doch manchmal zum Perfektionismus neigt. Wie ist das beim Herrn Gough?

Ich bin immer auf der Suche nach der perfekten Unperfektheit. Ich mag es nicht, wenn Dinge klar und offensichtlich klingen. Viel eher muss es ein bisschen seltsam sein, ein bisschen sonderbar. Manche Songs, die ich im Radio höre, kann man nicht mehr als einmal hören. Ich versuche Songs zu machen, die man sich immer wieder anhören will. Vielleicht sogar jeden Morgen, oder jeden Sonntagnachmittag.